Kein anderer deutscher Politiker ist so notorisch unterschätzt worden wie Helmut Kohl. Seine rhetorischen Fähigkeiten waren begrenzt, als Intellektueller ist er nicht auffällig geworden, und sein Provinzlertum berührte viele Deutsche eher peinlich, als der "Oggersheimer" 1982 in aufgeräumter Stimmung die Weltbühne betrat. Doch während Kohl anfangs noch Spott und Häme auf sich zog, belehrte er seine Gegner rasch eines Besseren und gewann vier Bundestagswahlen hintereinander. Kein anderer Kanzler der Bundesrepublik hat länger regiert als er, und als "Kanzler der Einheit" und großer Europäer ist ihm auch in den Geschichtsbüchern sein Platz sicher. Was aber war das Geheimnis Kohls, dem sich so viele überlegen fühlten, die ihm dann unterlagen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2017
Zunächst gespannt auf die neue Kohl-Biografie zeigt sich Rezensent Werner Weidenfeld beim Lesen bald enttäuscht von Patrick Bahners' Buch. Aus der jahrelangen Begleitung Kohls schlägt der Autor laut Rezensent nur wenig Funken. Statt das Geheimnis Kohl zu lüften, meint Weidenfeld, beschränkt sich der Autor darauf, die Vita des Ex-Kanzlers als Material und Ausgangspunkt für seine geschichtsphilosophische Betrachtung der Macht zu nutzen und lang und breit Weber, Machiavelli und Montesquieu zu zitieren.
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