Helmut Kohl

Helmut Kohl: Erinnerungen

1990 bis 1994
Cover: Helmut Kohl: Erinnerungen
Droemer Knaur Verlag, München 2007
ISBN 9783426274088
Gebunden, 784 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Es war eine Zeitenwende, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte: Mit dem Fall der Mauer brach zugleich die Nachkriegsordnung zusammen, und etwas Neues trat hervor. Aber wie dieses Neue gestalten, wenn die Koordinaten der nationalen wie der internationalen Politik fortwährend neu bestimmt werden mussten? Zeitweise gewannen die Ereignisse eine solche Dynamik, dass sie kaum zu steuern waren: Immer deutlicher zeichnete sich die desolate wirtschaftliche Lage der DDR ab; jeden Tag machten sich Tausende auf den Weg nach Westen, in die Bundesrepublik. Starke Beharrungskräfte widersetzten sich in der Sowjetunion Gorbatschows Reformpolitik; wie gefährdet seine Position war, erwies sich in dem Putschversuch vom August 1991, als die Welt für einige Tage den Atem anhielt. Mit den ethnischen Konflikten im auseinanderbrechenden Jugoslawien kehrte nach über fünfundvierzig Jahren der Krieg nach Europa zurück - auf einen Kontinent, den die Erfahrung zweier Weltkriege so sehr gezeichnet hat, dass Deutschlands unmittelbare Nachbarn in Ost und West, Polen und Frankreich, einem erstarkenden wiedervereinigten Deutschland mit nur schwer auszuräumendem Misstrauen begegneten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2008

Ein reines Vergnügen waren die Erinnerungen des Altkanzlers Helmut Kohl für den Rezensenten Christian Kind nicht, was dieser vor allem Kohls "peniblen Protokollstil" und seiner erschöpfenden Ausführlichkeit ankreidet. Inhaltlich kann er sich nicht zu einer Einschätzung der Lektüre durchringen und belässt es bei der Wiedergabe. So erfahren wir, dass Kohl noch einmal deutlich macht, unter welchem Zeitdruck er die Wiedervereinigung durchsetzen musste, unter welchem Druck er sich fühlte, Tatsachen zu schaffen, "auch auf die Gefahr hin, Fehler zu begehen". Den Informationen des Rezensenten entnehmen wir zudem, dass Kohl durchaus einräumt, Fehler gemacht zu haben, und dass er Margaret Thatcher den Widerstand gegen die Wiedervereinigung durchaus übel genommen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2007

Hans-Peter Schwarz nötigt der Kraftakt der mehrteiligen Memoiren des früheren Kanzlers Kohl Respekt ab. Helmut Kohls mit Bundeskanzleramtsakten unterfütterte Informationen und Schilderungen insbesondere zur innerdeutschen Lage 1990 findet er erstaunlich "nachdenklich und selbstkritisch". Aber auch die Jahre bis 1994 sieht er überzeugend dargestellt, weil Kohl sich nicht auf bekannte Erkenntnisperspektiven verlässt, sondern eine eigene Sicht entwickelt. Interessant erscheinen Schwarz auch die Impressionen und Reflexionen aus einem ruhelosen Politikerdasein und die Kollegen-Porträts. Welch wichtige Rolle in der Politik Sympathie spielt, konnte Schwarz hier erfahren. Gespannt auf die Fortsetzung dieser Memoiren ist der Rezensent auf jeden Fall.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.11.2007

"Das Relevante ins Kröpfchen, das Redundante ins Töpfchen", empfiehlt Rezensent Gunter Hofmann als Lektüremotto für Band drei der Helmut-Kohl-Memoiren. Denn aus seiner Sicht wird Kohl offensichtlich mit etwas nicht fertig, und so schreibe und schreibe er immerfort. Eben nicht nur Relevantes, doch davon dann immer doch noch genug, dass der Rezensent die Erinnerungen an die Jahre 1990 bis 1994 letztlich mit Gewinn gelesen hat. Besonders die Passagen, die im Vorfeld des Zusammenbruchs der Sowjetunion spielen und das dünner werdende Eis für den damaligen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow beschreiben. Zwar misstraut der Rezensent immer wieder der Sicherheit, mit der Helmut Kohl selbstgewiss auf der Welle der Einheit surft, Kritiker niederbügelt und Dinge diskret zu seinen Gunsten schönt. Besonders der Rund-um-die-Uhr-Betrieb des Kohl'schen Telefons scheint ihm ein völlig neues Licht auf die Bedeutung dieses Instruments für die Weltpolitik zu werfen.