Es war im September 1989, als CDU-Rebellen um Heiner Geißler und Norbert Blüm den Sturz ihres Parteivorsitzenden planten: Helmut Kohl war in allen Umfragen eingebrochen, er galt als verbohrt, ohne Fortune, ein Übergangskanzler. Dann fiel die Mauer. Der Rest ist Geschichte: Kohl wurde für die Deutschen der "Kanzler der Einheit". Die langjährigen "Spiegel"-Politikchefs Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich beschreiben das Phänomen dieses Ausnahmepolitikers: Sie beleuchten den langen Aufstieg vom jüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands zum CDU-Parteivorsitzenden und Kanzler. Sie analysieren das System Kohl, das die Partei zum Kanzlerwahlverein degradierte, und schildern den jähen Absturz des Ex-Kanzlers nach der Parteispendenaffäre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2010
Zum Glück sind sich die Herausgeber der neuen Kohl-Biografie Hans-Joachim Noack und Wolfram Bickerich darüber bewusst, dass sie gegen das Phänomen der Verklärung anschreiben, wie Friedemann Bedürftig erkannt haben will. Pünktlich zu Kohls achtzigstem Geburtstag, glaubt der Rezensent, sei die Öffentlichkeit dazu bereit, dem Altkanzler seine diversen Fehltritte zu vergeben. Dass diese nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgen laut Bedürftig die beiden ehemaligen "Spiegel"-Redakteure in ihrer vorliegenden Biografie. Eine kleine Spitze auf ihre Herkunft aus dem Hamburger Presselager kann sich der Rezensent nicht verkneifen, wenn er schreibt, dass sich Noack und Bickerich nicht sehen lassen dürften, hätten sie nicht jedes Missgeschick und jede Untat des Kanzlers der Wiedervereinigung penibel festgehalten. So könne dieses Buch beim anstehenden "Kohl-Boom" als "Gedächtnisstütze" dienen, so Bedürftig.
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