Drei Sommer lang Paris
Roman

Aufbau Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783351042325
Gebunden, 426 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
"Es war wohl ein gutes Alter, um nach Paris zu kommen. Es war wohl der richtige Fleck auf Erden, um mit dem Leben zu beginnen." Ulrike hält nichts mehr im Land der vorgeschriebenen Lebenswege. Es ist der Jahrhundertsommer 1989, als die 21-Jährige im Zug von Leipzig Richtung Paris sitzt. Ohne ein Wort Französisch zu sprechen, aber von immenser Neugier getrieben, entdeckt sie die Stadt und damit eine neue Welt als Einwanderin unter Einwanderern. Patricia Holland Moritz erzählt vom Mut einer Generation in den letzten Monaten der DDR und wirft einen völlig neuartigen Blick auf eine Stadt, die als zerschrieben gilt; einen Blick, geprägt von dem, was wir heute Geschichte nennen und was sich damals lediglich wie eine Fügung anfühlte.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 14.06.2025
Patricia Holland Moritz erzählt in "Drei Sommer lang Paris" die Geschichte einer "komplizierten Entwurzelung und Neuverortung", erklärt Rezensent Julian Weber - lebendig, spannend, raffiniert gebaut, teilweise ungemein witzig und aus dezidiert weiblicher Perspektive. Eine junge Frau, Ulrike, die wir bereits aus Holland Moritz' Debütroman kennen, reist kurz vor der Wende ihrer Mutter hinterher, aus Karl-Marx-Stadt nach Paris, wo sie natürlich nicht nur die fremde Stadt erkundet, sondern auch eine andere Welt, ein neues Selbstbild, so Weber. Selbstbewusst nimmt die neugierige und mundfertige Protagonistin ihre neue Freiheit in Anspruch, wandert rastlos durch die Stadt, versucht sich zu verständigen, sich in einem neuen System zu verorten, beginnt, sich zu lösen, lesen wir, von der Heimat, der untergehenden DDR, aber auch von der Mutter und deren bildungsbürgerlicher Sicht auf Paris. Zu den zahlreichen Stärken dieses hervorragend recherchierten Romans gehören etwa die urkomischen Sprachverwirrungen, die Holland Moritz gekonnt schildere, sowie die Details der "Alltagskommunikation im Pariser Nahverkehr". Mit diesem Roman ist Patricia Holland Moritz eine spannende literarische Verarbeitung des schwierigen gesellschaftlichen Wandlungsprozesses nach der Wende gelungen, so der begeisterte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2025
Ulrike, die Protagonistin von Patricia Holland Moritz' neuem Roman, bekommt aus der DDR, aus Karl-Marx-Stadt, die Ausreisegenehmigung, um zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Paris zu ziehen, erklärt Rezensentin Michelle Schleimer. Ulrike ist 21 und kennt Paris in erster Linie als Sehnsuchtsort und Stadt der Intellektuellen - und plötzlich ist die alte Heimat im Aufbruch, resümiert Schleimer, Montagsdemos, Mauerfall, Honecker-Rücktritt. Die Protagonistin werde als junge Frau gezeigt, die zum ersten Mal in die weite Welt aufbricht und begreife, wie anders die eigene Sozialisation gewesen sei. Für die Kritikerin ist das Buch trotz teils konventioneller Erzählweise und Themen eines der wichtigen, das die Erinnerung an die DDR aus neuen Perspektiven zeigt.