"Wenn du wüsstest, was ich weiß ..."
Der Autor meines Lebens

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518474334
Gebunden, 125 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Die Mauer ist gerade erst gefallen. Im mecklenburgischen Neustrelitz verlässt der 19-jährige Charly Hübner sein Elternhaus im Streit. Er findet Zuflucht am Theater und in der Literatur, liest wie besessen und landet nahezu unumgänglich bei den "Jahrestagen" von Uwe Johnson. Er taucht darin ein - und sehr lange nicht wieder auf. 40 Jahre nach Johnsons Tod und 90 nach dessen Geburt hat Charly Hübner Johnsons Großwerk als Hörbuch eingelesen. Wieder ist er vollkommen darin eingetaucht und war erstaunt, wie aktuell es nach wie vor ist - literarisch und politisch. Eher durch Zufall landete die wuchtige Buchclubausgabe der "Jahrestage" in Charly Hübners neuem Zuhause. Ein dicker Wälzer, der trotz der manchmal sperrigen Sprache und verwinkelten Erzählweise einen so noch nie erlebten Sog auf den damaligen Teenager ausübte. Da erzählte jemand aus dem fernen Sehnsuchtsort New York und verband das wie selbstverständlich mit einer Familiensaga in Mecklenburg - Weltliteratur aus der Heimat quasi. Aus dem Teenager von damals ist einer der beliebtesten Schauspieler des mehr oder weniger vereinten Deutschland geworden - während Johnson mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist. Zu Unrecht, findet Charly Hübner, denn die Lektüre dieses Autors, eines genauen Beobachters seiner Zeit, der wie kein anderer die Sprache und Denkweise der Menschen um ihn herum zu Papier gebracht hat, ist heute noch aktueller denn je.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.08.2024
Rezensent Helmut Böttiger lässt sich von Polizeiruf-110-Darsteller Charly Hübner Uwe Johnson erklären und sich für dessen "Jahrestage" begeistern. Hübners Dreh, Johnson als Pionier des visuellen Erzählens und der schnellen Schnitte zu präsentieren und seine eigene DDR-Sozialisation in den Ring zu werfen, um sich und dem Leser Johnsons Texte zu erschließen, geht gut auf, findet Böttiger. So ist das Buch nicht nur eine originelle Johnson-Hommage, sondern auch eine Reflexion über das deutsch-deutsche Verhältnis nach 1989, meint Böttiger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2024
Eine leidenschaftliche Aufforderung, Uwe Johnson zu entdecken, liest Rezensent Paul Ingendaay in diesem Buch Charly Hübners über dessen Lieblingsautor: Beide verbindet die mecklenburgische Herkunft, Hübner denkt mit Johnson über Ost und West nach, aber auch darüber, wie man lesen soll. Exemplarisch macht er am Anfang von Johnsons "Jahrestagen" klar, wie wichtig langsames Lesen ist, um die verschiedenen Sinnebenen von "langen Wellen" und "Buckeln mit Muskelsträngen" erforschen zu können, so Ingendaay, der ganz hingerissen Hübners "Versenkungsschule" verfolgt und dem langsamen Wachsen der Gedanken. Ein Buch, das anregt, sich leidenschaftlich in Literatur zu vertiefen, schwärmt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2024
Rezensent Paul Jandl empfiehlt das Buch des Schauspielers Charly Hübner über seine Lektüreerfahrungen mit Uwe Johnson. Halb Leseaufforderung, halb Autobiografie regt das Buch Jandl zum langsam und genau, vor allem aber zum neu lesen von Johnson an. Dabei stellt er nicht nur fest, inwieweit sich Johnsons Geschichtsliteratur und Hübners Familiengeschichte überschneiden, sondern auch, was sich aus den psychologischen Spuren in Johnsons Werk herauslesen lässt, was also hinter der "Macht des Geschichtlichen" steckt. Hübners Buch dient Jandl als "lustvolle" Anleitung dazu.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 23.07.2024
Die Begeisterung des Schauspielers Charly Hübner für Uwe Johnsons "Jahrestage" kann Rezensent Michael Pilz nach der Lektüre dieses Buches gut nachvollziehen. Als Johnsons Buch erschien, war Hübner Abiturient, so Pilz. Hübner konnte sich sofort identifizieren: die fiktive Ostgegend in "Jahrestage" erinnerte ihn an seinen Heimatort, mit seinen systemtreuen Eltern überwarf sich Hübner schon vor dem Fall der Mauer. Literarisch tastet sich der junge Mann langsam heran, wie er in seinem Buch schildert, indem er Johnsons "Achim" las, weiß der Kritiker nun. Hübner denkt darüber nach, was Johnson über die Wende gedacht hätte, wäre er noch am Leben, beantwortet die Frage aber nicht abschließend. Für Hübner sei klar, dass Johnsons Werk uns gerade angesichts heutiger Ost-West-Debatten noch einiges zu sagen haben, schließt der Kritiker.