Moshe Zimmermann

Niemals Frieden?

Israel am Scheideweg
Cover: Niemals Frieden?
Propyläen Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783549100837
Kartoniert, 192 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Der immerwährende Krieg - und wie er enden könnte. Von Generation zu Generation wird der Krieg in Palästina weitergetragen. Nach der jüngsten und schlimmsten Eskalation durch den Terrorangriff der Hamas macht sich Hoffnungslosigkeit breit: Wird das immer so weitergehen? Nein, sagt Moshe Zimmermann, der liberale Historiker. Schonungslos - und nicht ohne Bitterkeit - benennt er zunächst die Schuldigen an der Katastrophe: Da ist die Hamas, die Gewalt als einziges Mittel der Politik sieht und Israel auslöschen will. Da sind aber auch die jüdischen Siedler, die alle Israelis in Mithaftung nehmen für ihre radikale Politik, die Land und Leben der arabischen Palästinenser bedroht. Und da ist die rechte Regierung in Israel, die den Konflikt schürt, statt ihn zu dämpfen.Daraus folgt, so Zimmermann, der Weg zur Lösung: Abkehr von der Siedlungspolitik, Abkehr von der bisherigen Politik in Gaza, Abkehr vom Islamismus, Hinwendung zur Zweistaatenlösung, verstärkte Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft. Juden und Araber müssen Palästina, diesen kleinen Streifen Land, untereinander aufteilen und miteinander leben - oder sie werden miteinander sterben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.05.2024

Ein düsteres Bild der aktuellen israelischen Politik zeichnet Moshe Zimmermann in seinem Buch, so Rezensent Ofer Waldman. Der Historiker kritisiert darin die Regierung um Netanjahu sowie die mit ihr verbündete Siedlerbewegung scharf, tatsächlich schreibt er beiden, lesen wir, eine Mitschuld am Hamas-Angriff des 7. Oktober zu. Die radikalen nationalistischen, nicht auf Ausgleich mit den Palästinensern bedachten, Kräfte gefährden, gibt Waldman wieder, die Zukunft Israels, die der Autor nur mit einer Zweistaatenlösung gewährleistet sieht. Auf die deutsche Situation geht Zimmermann ebenfalls ein, heißt es weiter, den postkolonialen Blick auf den Nahostkonflikt teilt er laut Waldmann nicht. Insgesamt ein wenig optimistisches Buch eines Autors, der die Hoffnungen für eine jüdisch-demokratische Zukunft Israels schwinden sieht, lautet das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.03.2024

Sehr positiv setzt sich die bekannte Theoretikerin der Erinnerungspolitik Aleida Assmann mit diesem neuen Buch des israelischen Historikers Moshe Zimmermann auseinander, das sich eigens an deutsche Leser richte. Assmann beschreibt Zimmermann als gemäßigten Linken und Zionisten, der Israel nicht einfach als koloniales Projekt sehen wolle: Nicht die Gründung, erst die Siedlungsprojekte seien als Kolonialismus zu verstehen. Das Buch ist zumindest in Teilen bereits in Reaktion auf den 7. Oktober geschrieben, die "Geiselnahme" ist seine zentrale Metapher, so die Rezensentin. Dabei gehe es nicht nur um die Geiseln der Hamas-Pogrome, sondern auch um die Beschreibung der israelischen Mehrheitsgesellschaft als Geisel Netanjahus und der extremen Rechten in Israel (ob Zimmermann auch die palästinensische Zivilbevölkerung als Geisel der Hamas beschreibt, lässt Assmann in ihrer Kritik offen). Als besondere Botschaft für die Deutschen nimmt Assmann mit, dass man hierzulande in deutschen Bestehen auf der "Staatsräson" und im Diskurs über Israel als "einziger Demokratie im Nahen Osten" viel zu wenig die Untaten der Siedler und der extremen Rechten zur Kenntnis genommen habe. Dabei wäre es es von deutscher Seite hilfreich gewesen, "die Ideale des Staates in Erinnerung zu bringen, die die Regierung gerade in ihr Gegenteil verkehrte", so Assmann. Sie empfiehlt das Buch jedem, der sich differenziert mit der Geschichte Israels und des Nahostkonflikts auseinandersetzen will.

Buch in der Debatte

9punkt 02.03.2024
Den BDS hält der israelische Historiker Moshe Zimmermann, der gerade das Buch "Niemals Frieden? Israel am Scheideweg" veröffentlicht hat, nicht für "per se antisemitisch", die deutsche Staatsräson für eine "hohle Phrase". Aber auch an der postkolonialen Sicht des Nahostkonflikts übt er im taz-Gespräch Kritik. Unser Resümee

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