Helga Baumgarten

Hamas

Der politische Islam in Palästina
Cover: Hamas
Diederichs Verlag, München 2006
ISBN 9783720528207
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Die Hamas entstand 1987 mit der palästinensischen Intifada. Sie trat bewusst als Gegenpol zur PLO auf: Hamas lehnte das Existenzrecht Israels ab, verweigerte eine friedliche Koexistenz mit dem jüdischen Staat und vertritt bis heute offiziell das Recht auf den bewaffneten Widerstand. Derzeit hält Hamas aber eine Waffenruhe ein, führende Köpfe sprechen sich sogar für eine Zweistaatenlösung aus. Helga Baumgarten zeigt, was die Wahl der Hamas für den Nahen und Mittleren Osten, aber auch für die westliche Welt bedeutet. Auszüge aus der Hamas-Charta und das komplette Wahlprogramm finden sich im Anhang des Buches erstmals in deutscher Sprache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2007

Helga Baumgarten zeigt in ihrer Darstellung "Empathie" für die islamische Palästinenserorganisation Hamas, stellt Wolfgang Günter Lerch fest. Das Buch biete eine sehr ausführliche Geschichte der Hamas, erklärt der Rezensent, der die Entwicklung in seiner Rezension von den Anfängen bis in die Gegenwart grob nachzeichnet. Die Autorin gibt zu bedenken, dass die rigorose Ablehnung des Westens, insbesondere der USA, gegenüber der frei gewählten Hamasregierung in Palästina wenig zielführend sei, teilt Lerch mit, der offen lässt, ob er Baumgarten in dieser Frage zustimmt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2007

Skeptisch betrachtet Igal Avidan dieses Buch über die palästinensische Hamas, das die deutsche Politologin Helga Baumgarten vorgelegt hat. Zwar findet er in dem Buch eine Fülle von Informationen über die Entstehung der Hamas, ihr Verhältnis zur PLO und ihre sozialen Einrichtungen. Aber zum einen ist ihm das meiste schon bekannt, zum anderen bleiben auch viele Hamas-kritische Fragen ausgeklammert. Tatsächlich macht das Buch auf ihn zunehmend den Eindruck einer "Verteidigungsschrift" für die Hamas. So hält Avidan der Autorin vor, besonders im letzten Kapitel "vehement Partei zugunsten der Hamas" zu ergreifen und den internationalen Boykott der Regierung anzuprangern, über die (Mit-)Verantwortung der Hamas an der humanitären Katastrophe in Gaza aber zu schweigen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.11.2006

Gemma Pörzgen rechnet es der Politologin Helga Baumgarten hoch an, nun eine erste Gesamtdarstellung der Hamas-Bewegung vorgelegt zu haben und empfiehlt es denjenigen Lesern, die sich ein differenzierteres Bild von der Hamas machen möchten, als es in den Medien verbreitet wird. Insbesondere den ersten Teil des Buches, in dem die Autorin die geschichtliche Entwicklung der Hamas nachzeichnet, wird von der Rezensentin mit viel Lob bedacht. Demgegenüber aber sei der zweite Teil der Studie, in der die aktuelle Lage abgehandelt wird, enttäuschend und wirke hastig zusammengeschrieben, beschwert sich Pörzgen. Hier hätte sie sich nicht nur eine gründlichere Recherche gewünscht, sondern wäre auch an einer Analyse der Machtverteilung innerhalb der Hamas und der aktuellen israelischen Politik gegenüber der Organisation interessiert gewesen. Dennoch hebt die Rezensentin hervor, dass hier immerhin die erste deutsche Beschreibung der Hamas vorliegt, und das findet sie bei allen angeführten Kritikpunkten in jedem Fall begrüßenswert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2006

Durchaus instruktiv findet Rezensent Volker S. Stahr dieses Buch Helga Baumgartens, das ein wohlwollendes Bild der Hamas zeichnet. Ganz einverstanden ist er damit gleichwohl nicht. Er attestiert der in Jerusalem lebenden und an der palästinensischen Universität Birzeit lehrenden Politikwissenschaftlerin, die Verhältnisse in Palästina aus eigener Anschauung zu kennen. Ihre Sympathie für die Hamas ist für ihn deutlich spürbar. So wundert es ihn nicht, dass Baumgarten die Hamas vorwiegend als politische und soziale Organisation vorstellt, die sich fürsorglich um die Belange und die Menschen in Palästina kümmert. Zwar verhehle die Autorin den militant-terroristischen Zweig der Hamas nicht, betone aber, der politische Fortschritt werde diesen Zweig verkümmern beziehungsweise der Stillstand ihn aufblühen lassen. Angesichts der herrschenden anti-islamischen Stimmung hält Stahr das Buch für couragiert. Zudem scheint ihm Baumgartens Bild der Hamas ziemlich authentisch und realistisch. Aber doch auch einseitig. Objektivität ist seiner Ansicht nach nicht gerade die Stärke der Autorin. Das Wort "Terroristen" falle in dem gesamten Buch in Bezug auf die Hamas kein einziges Mal. Daher empfiehlt Stahr als Korrektiv auf jeden Fall die Lektüre eines Hamas-kritischen Buchs.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Im Ansatz verdienstvoll, in der Umsetzung unerfreulich tendenziös findet Tsafrir Cohen Helga Baumgartens "Hamas. Aus dem palästinensischen Widerstand in die Regierung". Als "erstes Buch über die Hamas in deutscher Sprache" zeichnet Baumgartens Studie die Geschichte der 1987 aus den ägyptischen 'Muslimbrüdern' hervorgegangenen Hamas nach, und zwar nicht mit dem üblichen westlichen Blick, lobt der Rezensent. Allerdings bemängelt er zahlreiche "Ungenauigkeiten" und beleglose Behauptungen, die die Nähe der Autorin zur palästinensischen Seite offenbaren, ihre Glaubwürdigkeit aber unterminieren. Denn dieser Umstand rücke Baumgartens Buch an einigen Stellen in bedrohliche nähe eines "Pamphlets".