Klappentext

Mit Abbildungen. König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) war und ist ein Mythos. Sein Leben ist die royale Erfolgsgeschichte in Deutschland, Millionen Menschen besuchen jährlich seine Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Erstmals legt Oliver Hilmes nun eine Biografie des "Märchenkönigs" vor, die ihn als Herrscher und historische Gestalt ernst nimmt. Denn Ludwig, so Hilmes, wusste trotz aller scheinbaren Widersprüche seines Lebens genau, was er wollte: ein absoluter König sein.
Unzählige Gerüchte und Anekdoten ranken sich um Ludwig II., der bis heute als "Märchenkönig" verehrt oder vorschnell als geisteskrank abgetan wird. Oliver Hilmes nähert sich dem Rätsel Ludwig, indem er die Fassade der Kunstfigur aufbricht und den Menschen dahinter zum Vorschein bringt. Dazu bettet er den so unzeitgemäßen König in die Politik- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts ein und zeigt, welche Auswirkungen Ludwigs verspätete Form des Absolutismus hatte, für den König und sein Reich. Auf Basis zahlreicher unveröffentlichter Quellen entsteht so das differenzierte Bild eines der faszinierendsten und einflussreichsten deutschen Monarchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2014

Ausführlich zeichnet Christian Thomas das Bild des größenwahnsinnigen Monarchen nach, das Oliver Hilmes und Christine Tauber in ihren jeweiligen Biografie von Ludwig II. malen. Pompös regierte der schwärmerische Lieblingskönig der Bayern an allen Realitäten vorbei und plünderte für seine in Stein gehauenen Märchenfantasien nicht nur die Königsschatulle, sondern auch die Staatskassen, so dass die vielen Verschwörungen der königlichen Berater und Ärzte gegen Ludwig durchaus echter Verzweiflung entsprangen - der Rezensent möchte sogar "Gewissenhaftigkeit" als Motiv gelten lassen. Die beiden Biografien unterschieden sich Thomas' Darstellung zufolge in der Nuancierung. Hilmes legt offenbar mehr Gewicht auf die despotischen Züge des Königs, Tauber arbeitet mit Kantorowiczs "Zwei Körpern des Königs". Und was Ludwigs Verhältnis zu Richard Wagner betrifft, scheinen sich beide nicht ganz klar darüber zu sein, wer von beiden wen dirigiert hat. Empfehlen möchte er scheint's beide Bücher.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Rezensent Rudolf Neumaier rät rundheraus ab. Schon die Aufschneiderei des Autors geht ihm auf die Nerven, der andeutet, bisher unbekannte Quellen für das Buch aufgespürt zu haben (Neumaiers Anfrage beim Archiv lässt diese Blase platzen). Auch für die schon erschienene, seriöse Literatur hat sich der Autor nicht interessiert. Statt dessen zitiert er gern aus "historischer Klatschliteratur". Nein, wer sich für Ludwig II. interessiert, der sollte besser zu den im Jubiläumsjahr 2011 erschienenen Büchern von Hermann Rumschöttel und Marcus Spangenberg sowie dem Autorenduo Thomas Endl und Klaus Reichold greifen, rät der Kritiker. Fortgeschrittenen empfiehlt er den Aufsatzband "Götterdämmerung" zur gleichnamigen Landesausstellung oder Christine Taubers Buch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2013

Rezensent Peter Gauweiler findet diese Biografie zu ungenau. Gerade bei Ludwig II. von Bayern wünscht er sich Genauigkeit in den Details, das "Maximum an Wissbarem" jedoch bekommt er von Oliver Hilmes trotz aller vom Rezensenten anerkannten Bemühungen nicht immer geboten. So bei den Abschnitten um Ludwigs Ende oder wenn es darum geht, Ludwigs politisches Erbe zu einzuordnen. Zwar liest Gauweiler überraschende Details zur Beziehung Wagner/Cosima/Ludwig, allzu oft bleibt der Autor dem Rezensenten bei seinen Einschätzungen allerdings auf einer Linie mit den "Entmündigungsministern" von 1886. Laut Gauweiler hat Ludwig Bayern zum Gesamtkunstwerk "veredelt", und das strahlt bis heute, meint er. Diese Lebensleistung findet er bei Hilmes zu wenig gewürdigt.
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