Oleg Jurjew

Unbekannte Briefe

Roman
Cover: Unbekannte Briefe
Verbrecher Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783957322333
Gebunden, 250 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Lieber Kornej Iwanowitsch, nun berichtet die Prawda, daß auch Sie gestorben sind. Das erlaubt mir, in kameradschaftlicherer Weise mit Ihnen zu sprechen - ab und an glaube ich, auch ich sei gestorben." Dies schreibt der Schriftsteller Dobytschin an den allseits bewunderten Literaturkritiker, Übersetzer und Kinderbuchautor Tschukowski. Er schreibt dies Jahre nach seinem eigenen vermeintlichen Tod. Auch der kleine Moskauer Literat Prischow schreibt an einen allseits bewunderten Autor, Fjodor Dostojewski, dem Prischow Vorbild war für eine Figur in seinem Roman "Die Dämonen". Der wirre Brief ist adressiert an den, der mit ihm aufwuchs, und den, der nun Prischows Leben als Material benutzt. Der alkoholkranke Prischow hält sich dabei mit antisemitischen Invektiven gegen Dostojewski nicht zurück - dann wieder sucht er das Verständnis des großen Autors. Schließlich meldet sich auch der kranke und hungrige Jakob Michael Reinhold Lenz bei seinem Gönner Karamsin - wahrscheinlich am Tag seines Todes. Lenzens anrührender Brief wird plötzlich zu einem Brief an den Freund Goethe, dann zu einem Bittbrief an den Vater, dann wieder wendet er sich erneut Karamsin zu. Zusammen ergeben die Briefe den Roman "Unbekannte Briefe", sein Thema ist Tod und Unsterblichkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2017

Rezensentin Christiane Pöhlmann kann mit den fingierten Schriftsteller-Korrespondenzen von Oleg Jurjew nicht viel beginnen. Auch wenn der Verlag hundertmal "Roman" draufschreibt. Zu wenig stringent scheint ihr der "Fiktionsvertrag" befolgt, zu oft schrammt die deutsche Fassung zudem an der genuinen russischen Idiomatik vorbei, meint sie. Tipp- und Zeichensetzungsfehler erschweren Pöhlmann die Lektüre zusätzlich und über Zeitkolorit oder einen individuellen Ton verfügen die Assoziationsströme der Briefe für sie auch nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2017

Rezensent Paul Jandl lässt sich von Oleg Jurjew gern auf falsche Fährten locken. In Jurjews neuem Roman spinnt der Autor laut Rezensent virtuos Netze aus Wahrheit und Fiktion, indem er von angeblichen Texten vermeintlicher Schriftsteller berichtet oder von einem wieder entdeckten Brief des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz. Wie der Autor hier Asynchrones synchronisiert und das Lineare aussticht, fasziniert Jandl und erinnert ihn an Daniil Charms. Tragikomisch schließĺich scheint ihm der Versuch der Figuren, Deutungshoheit über das eigene Leben zu erlangen, und das Scheitern daran. Jurjews Ironie, meint Jandl, öffnet Falltüren des Absurden.

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