Kirsten Peters

Der Kindsmord als schöne Kunst betrachtet

Eine motivgeschichtliche Untersuchung der Literatur des 18. Jahrhunderts
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2001
ISBN 9783826019982
Broschiert, 243 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Der "Kindsmord" war ein bevorzugtes Sujet der Literatur des "Sturm und Drang". Bisher wurde von der Literaturwissenschaft davon ausgegangen, dass es der Adelskritik diente, insofern das Verbrechen als Folge der Verzweiflung einer von einem gewissenlosen Adeligen verführten bürgerlichen Unschuld inszeniert wurde. In diesem Buch wird die auffällige Diskrepanz zwischen diesem literarischen Topos und der sozialen sowie juristischen Wirklichkeit aufgedeckt. Das Buch bietet einen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen und die Lebenssituation von Frauen. Dabei wird u.a. die zeitgenössische Diskussion über die Bestrafung des Delikts kritisch beleuchtet. Gleichzeitig wird der Frage nach der Bedeutung der Differenz von literarischer Imagination und sozialer Realität nachgegangen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2002

Kirsten Peters hat sich eines Themas angenommen, das über Jahrhunderte hinweg ein zentrales Thema der Strafverfolgung, Rechtsprechung und der Literatur war: der Kindsmord. Schon im Titel spiele die Autorin darauf an, dass sich diese erhöhte Aufmerksamkeit für den Kindsmord in der deutschen Literatur zwischen 1772 und 1791 nicht nur aus "moralischen und zeitkritischen Motiven" gespeist hatte, sondern auch aus dem Interesse am "Schaurig-Schönen", berichtet Ulrich Kronauer. Der Rezensent findet diese Studie, für die die Autorin neben literarischen Werken auch Gerichtsakten, Nachlässe und andere Schriften ausgewertet hat, hoch interessant. Denn Peters zeige im Ergebnis, wie der Kindsmord in der Literatur stilisiert und "verfremdet" wurde. In den meisten Fällen waren arme Frauen des Delikts überführt worden, in der Literatur hingegen verwandelte man diese Frauen entweder in ein Naturkind und in an sich brave, aber leider verführte und vor allem liebreizende Bürgerstöchter - der Dienstmagd habe man nicht einmal hier, so Kronauer, die Hauptrolle gegönnt.
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