Lenz "zerbrach" an Goethe, so will es der Mythos, der sich um das Verhältnis zwischen dem jungen, labilen Sturm-und-Drang-Dramatiker und dem Dichterfürsten gerankt hat. Zunächst freundlich von Goethe und dem Herzog in Weimar aufgenommen, fiel Lenz schon bald in Ungnade und mußte wegen eines noch immer nicht ganz aufgeklärten Fehlverhaltens die Stadt verlassen. Er starb in Armut und Einsamkeit in Moskau. Matthias Luserke dokumentiert die Geschichte dieser Freundschaft und gibt auch eine Einschätzung der verschiedenen Deutungen von Lenzens vieldiskutierter "Eseley" in Weimar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Erst waren sie ganz innig miteinander. Rezensent Albert Ostermaier schreibt so schöne Sätze wie: "Lenz folgt seiner Sonne Goethe wie ein Schatten." Aber die "Schatten werden länger", "Lenz kühlt aus", während Goethe "in immer geordneterem Lauf seine Himmelsbahnen" zieht. Hübsches Bild. Was wirklich zu dem Zerwürfnis zwischen dem Jungdichter und dem Altmeister führte, weiß man nicht: alle Dokumente sind getilgt worden, berichtet Ostermaier; die Gerüchte besagen: Eifersucht, Intrigen, was sonst. Goethes harsches Diktum jedenfalls stempelte Lenz als armen Irren ab, er starb bald darauf in Moskau. Herausgeber Luserke hat die Geschichte dieser Entzweiung in Originaldokumenten (soweit vorhanden) nachgezeichnet, einen Essay beigesteuert und lässt in kleineren Texten Lenz als Autor zu Wort kommen: leider, fügt Ostermaier hinzu, habe sich Luserke davor gescheut, aus dem Nebeneinander der Texte ein Miteinander zu machen. Mehr Rückschlüsse sind erwünscht.
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