Niklas Luhmann

Soziologie unter Anwesenden

Systemtheoretische Vorlesungen 1966-1970
Cover: Soziologie unter Anwesenden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518300183
Kartoniert, 660 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von André Kieserling, Christoph Gesigora und Johannes F. K. Schmidt. Im Jahr 1966 fällt der Startschuss für eine einzigartige Karriere in der deutschsprachigen Soziologie: Niklas Luhmann wird an der Universität Münster nicht nur promoviert und habilitiert, sondern beginnt auch umstandslos mit der Präsentation seines Programms einer Soziologie als Wissenschaft von den sozialen Systemen. In nur vier Jahren entwirft er in beeindruckender Souveränität die Grundlagen seines Forschungsprogramms der nächsten Jahrzehnte. Die ausführlichen Vorlesungsskripte, die Luhmann beim Verfertigen seiner Theoriegrundlagen und ihrer ersten Anwendung auf Politik und Recht zeigen, werden hier erstmals aus dem Nachlaß publiziert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2024

Mit Niklas Luhmann verhält es sich ähnlich wie Michel Foucault. Er bleibt auch nach seinem Tod ungeheuer produktiv, und der Suhrkamp Verlag kann einen neuen Band nach dem anderen raushauen, freut sich Rezensent Peter Laudenbach. Hier nun also die Vorlesungen aus den bewegten Jahren 1966 bis 1970, die er teils in Frankfurt in Vertretung Adornos hielt. Für Laudenbach ist das so ein Leseglück, weil Luhmann hier doch noch eine "deutlich stärkere Bodenhaftung" aufweise als in seinen späteren, teil sehr abstrakten Hauptwerken. Wenn Luhmann etwa beschreibt, dass eine schlecht gemanagte Organisation "durch ihre eigene Arbeitslogik den Verkehr mit Nichtmitgliedern erschwert, also Probleme schafft, die ihre Außenbeziehungen belasten", dann hat er für Laudenbach damit schon das Problem heutiger Callcenter und labyrinthischer FAQs beschrieben. Luhmann erweist sich für Laudenbach auch in diesen frühen Texten vor allem als ein hervorragender Organisationssoziologe, der mit Ironie und Präzision das Funktionieren und Versagen größerer Institutionen beschreibt. Wie übrigens Foucault betrachtet Luhmann dabei Marx, der zu seiner Zeit so en vogue war, als "erloschenen Vulkan", aber konservativ war er laut Laudenbach nicht, zwar liebe er Institutionen - auch die der Ehe etwa -, aber er feiere die Hierarchie nicht, er durchschaue sie.

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