Friedl Benedikt

Warte im Schnee vor Deiner Tür

Cover: Warte im Schnee vor Deiner Tür
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2025
ISBN 9783552075290
Gebunden, 336 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Fanny Esterházy und Ernst Strouhal. Die erstmalige Veröffentlichung der Aufzeichnungen von Friedl Benedikt. Was für eine couragierte Frau, was für eine Autorin: Friedl Benedikt war lebensfreudig, tatendurstig, neugierig, zielstrebig. Für Elias Canetti ist die junge Frau, die er 1936 in Wien kennenlernt, "eine geborene Erzählerin". Er wird ihr Lehrer und Geliebter, ihr Lebensmensch bis zu ihrem frühen Tod 1953. Und er fordert sie auf, "jeden Tag zu schreiben". Sie befolgt seinen Rat, auch in London, wohin sie beide nach dem "Anschluss" emigrieren müssen. Drei Romane erscheinen in England, doch das Beste, was sie geschrieben hat, fand sich im Nachlass Canettis und wird hier erstmals veröffentlicht: Aufzeichnungen von Begegnungen mit Freunden und Fremden, Szenen auf der Straße und in Pubs, Eindrücke von Reisen durch das Nachkriegseuropa, die Dinge der Liebe. Eine große Entdeckung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.07.2025

Schöne Texte sind das, die Friedl Benedikt in ihrer Zeit im Exil, zwischen 1939 und ihrem Todesjahr 1953, verfasst hat, findet Rezensent Fokke Joel. Die Schriftstellerin lebt in dieser Zeit in London, erfahren wir, weil sie als Jüdin vor den Nazis fliehen musste, sie wohnt bei ihrer Tante und ist dort von vielen Künstlern und Geistesmenschen umgeben. Nicht nur die tauchen in ihren - um hilfreiche Vor- und Nachworte ergänzten - Texten auf, Benedikt interessiert sich auch für den Alltag jenseits ihrer sozialen Schicht und beobachtet zum Beispiel Taubstumme bei einer Unterhaltung im Pub. Benedikts Liebesbeziehung zu Elias Canetti hingegen kommt laut Joels positiver Rezension nur am Rande vor, überhaupt schreibt sie wenig über sich, vielmehr lieber über die Menschen um sich herum.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2025

Rezensent Paul Jandl birgt einen Schatz mit den nun erschienenen Aufzeichungen der österreichischen Schriftstellerin Friedl Benedikt, die im Nachlass von Elias Canetti entdeckt wurden. In den "funkelnden Miniaturen", die mit 1938 Friedls Emigrationsjahren in England einsetzen und mit ihrem frühen Tod 1953 enden, erkennt der Kritiker, dass die Schriftstellerin weit mehr war als die Geliebte Canettis, den sie 1936 in Wien erstmals traf: Der zwölf Jahre ältere Canetti wird zu ihrem Lehrer, sie schickt ihm Texte, er macht Anmerkungen. Sie findet aber sofort ihren eigenen, "sinnlichen", später auch depressiven Stil, der auch in ihren Romanen erkennbar ist, erklärt Jandl: Stets bemerkt sie in menschlichen Begegnungen die Momente, aus den eine Geschichte werden könnte. Nicht zuletzt liest der Rezensent das Buch als "menschenfreundliches Äquivalent" zu Canettis England-Buch "Party im Blitz": So erfährt er hier etwa über das Leben der Bohémiens während des Krieges.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2025

Rezensent Alexander Kosenina freut sich darüber, dass die hier veröffentlichten Tagebücher Einblick in das Leben der österreichischen Schriftstellerin und Canetti-Geliebten Friedl Benedikts ermöglichen. Anfangs war Canetti wohl im Literarischen ein Lehrer für Friedl, wobei sie sich um 1942 - die Tagebücher umfassen die Zeit von 1939 bis zu ihrem Todesjahr 1953 - von diesem Vorbild emanzipierte, liest der Kritiker. Das kann auch in den Texten gut nachvollziehen, findet der Rezensent, denn Friedl eignet eine ganz eigene Beobachtungsgabe. Zudem notiert Friedl ihre Erfahrungen im Exil, sowie die sich verändernde Dynamik ihrer Beziehung zu Canetti, mit dem sie zwar verbunden bleibt, den sie aber später eher als Bedrohung für ihr eigenes literarisches Schaffen wahrnimmt. Die vorliegende Veröffentlichung zeigt eindrücklich wie eine literarische Stimme zu sich selbst findet, meint Kosenina, der hofft, dass auch Friedls Romane künftig mehr Aufmerksamkeit in Deutschland erhalten werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.03.2025

Rezensentin Anna Vollmer sträubt sich ein bisschen, Friedl Benedikt als "die Geliebte von" Elias Canetti einzuführen, aber die Texte, die nun in diesem Auswahlband vorliegen, sind mit und für ihn entstanden und somit ohne die Beziehung der beiden nicht zu denken, erklärt sie. Beide lebten in London im Exil, hier entstehen die Alltagsbeobachtungen, die sich für Vollmer unglaublich modern lesen, denn Benedikt schreibe subjektiv, zugewandt, mit aufrichtigem Interesse an den Leuten, die sie in Bars trifft und deren Gastfreundschaft ihr zugute kommt. Doch auch die Schilderungen des Krieges und seiner Bedrohungen überzeugen sie. Das ist manchmal melancholisch, aber niemals selbstmitleidig, erklärt sie. Und die Texte zeigen ihr, warum die Entdeckung von Frauen in den Künsten so wichtig ist: Frauen sprechen über andere Themen, meint sie, und ihr meist subjektiverer Ton klinge heute oft moderner als die Stimmen ihrer männlichen Kollegen.

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