Michael Pauen

Illusion Freiheit

Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung
Cover: Illusion Freiheit
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100619105
Gebunden, 240 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Was heißt es, frei zu handeln? Wie verhält sich die Annahme eines deterministischen Naturzusammenhangs zu jener Freiheit, die wir für verantwortliches Handeln voraussetzen? Gilt gar, wie es einige Hirnforscher sehen wollen, dass unsere Freiheit nur eine Illusion ist? Michael Pauen entwirft eine Interpretation des Freiheitsbegriffs, die eine Reihe von Missverständnissen aufklärt, neue Erkenntnisse der Neurowissenschaften berücksichtigt und Ansatzpunkte für die Klärung von Schuld und Verantwortung im juristischen Sinn an die Hand gibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2005

Das Thema Willensfreiheit versus Determinismus scheint ein unsterblicher Klassiker, der gerade mal wieder die Feuilletons in Atem hält. Dass die gegenwärtige Diskussion über das Thema nicht neu ist, stellt Rezensent Uwe Justus Wenzel in seiner Besprechung von Michael Pauens "Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung" gleich zu Anfang klar. Generell zeigt sich Wenzel skeptisch gegenüber Neurowissenschaftlern, die menschliche Freiheit als Illusion entlarven möchten. Nichts Neues also, und zwar auf keiner Seite. Leider geht Wenzel bei seinen wortreichen Ausführungen zum Thema auf das zu besprechende Buch nicht genauer ein. Festzuhalten ist, dass er es wegen seiner "Klarheit und Deutlichkeit" wärmstens empfehlen kann: "Wer in die verzweigte Problematik sachlich eingeführt werden möchte und eine Gelegenheit zur philosophischen Selbstbesinnung sucht, sollte es aufschlagen." Wenzel merkt noch an, dass sich Pauen in der Frage nach der letzten "ontologischen" Beschaffenheit der Welt abstinent verhalte, und die Frage, ob der Monismus Recht habe oder der Dualismus, ob "Geist" und "Materie" zwei Aspekte ein und derselben Entität seien oder Grundverschiedenes, offen lasse.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Michael Pauen wagt in seinem neuen Buch über die menschliche Willensbildung den Versuch, Freiheit und Determiniertheit zu vereinen, notiert Rezensent Martin Seel. Essenz der "sehr klar geschriebenen" Abhandlung sei die These, dass frei ist, wer sein Handeln an bestimmten Präferenzen ausrichten kann - letztere seien determinierendes Element, das aber in einem freien Akt reflektiert werden könne. Dass Pauen nach einigen Überlegungen zu einem "Kurzschluss" gelangt - der "Wille ist frei, wenn er frei ist" - liegt nach Ansicht des Kritikers daran, dass der Autor es sich mitunter "zu einfach macht". Darauf deuten für den Rezensenten nicht nur derartige "erstaunliche" Resultate hin, sondern auch Pauens "inflationärer Gebrauch" des Wortes "einfach". Wahrhaft überzeugend findet Seel die Zusammenführung von Freiheit und Determiniertheit also nicht. Er fürchtet eher, dass Pauen "einem Scheinfrieden das Wort redet".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2004

Ein Buch, das zur rechten Zeit kommt, sieht Jürgen Schröder in Michael Pauens "Illusion Freiheit?" Die Behauptung von Hirnforschern wie Gerhard Roth und Wolf Singer, dass Willensfreiheit eine Illusion sei, kann ihn nicht befriedigen. Überzeugender scheint ihm da schon die Theorie, die Pauen vorlegt, eine Variante kompatibilistischer Positionen, die von Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus ausgeht. Ausführlich zeichnet er die Argumentation des Autors nach: Soll der Wille einer Person als selbstbestimmt, und damit frei gelten, müssen nach Pauen zwei Prinzipien erfüllt sein: Das Autonomieprinzip, das eine Abwesenheit von inneren wie äußeren Zwang fordert, und das Urheberschaftsprinzip, das besagt, dass ein freier Wille der Person und nicht dem Zufall oder personfremden Einflüssen zuschreibbar sein muss. Die Zuschreibbarkeit eines Willens zu dem Selbst, dem Ich oder eben der jeweiligen Person wolle Pauen an "personale Präferenzen" binden, an Wünsche, Überzeugungen und Dispositionen also, die für das jeweilige Selbst konstitutiv sind. Pauen betrachte einen Willensakt genau dann als frei, wenn sich die Entscheidung der Person auf ihre personalen Präferenzen zurückführen lasse. In Schlussteil des Buches erfahre man dann einiges über psychologische Modelle von Willensakten, über kontrovers diskutierte neurophysiologische Experimente sowie über die Beziehungen zwischen Willensfreiheit, Schuld und Strafe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2004

Der Kompatibilist Michael Pauen wirft sich mit seinem Buch "Illusion Freiheit?" in die vor allem von Hirnforschern und einigen Philosophen betriebene Debatte um Willensfreiheit und Determinismus. Sein Vorschlag: Man solle Freiheit darin sehen, dass "Entscheidungen und Handlungen einer Person auf die richtige Weise determiniert sind, nicht aber, dass sie gar nicht determiniert sind". Wenn wir unsere Entscheidung ohne Zwang, unseren persönlichen Präferenzen, Vorlieben und Neigungen folgend, treffen können, wären wir, dieser Definition gemäß, frei. Und eine andere Definition von Freiheit erscheint Pauen nicht sinnvoll, denn bedingt in der einen oder anderen Weise sind wir immer. Aber so leicht lässt die Rezensentin Bettina Walde den Autor nicht davon kommen. Spitzfindig schließt sie die Frage an: Ja, aber wodurch wurden meine persönlichen Präferenzen zum Zeitpunkt meiner Entscheidung denn bestimmt? Manifestiert sich in ihnen wirklich eine Form von Freiheit? Möglicherweise waren und sind meine persönlichen Vorlieben ja nur die Vorlieben von jemand anderem, die mir aufoktroyiert wurden? Dennoch ist die Rezensentin sichtlich beeindruckt von Pauens Darstellung.
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