Markus Gabriel

Ich ist nicht Gehirn

Philosophie des Geistes für das 21. Jahrhundert

Klappentext

Gibt es die menschliche Freiheit? Ist unsere gesamte Lebensform nur eine Illusion? Reicht das Vorhandensein eines Gehirns, um ein geistiges Lebewesen zu sein? Von den Naturwissenschaften ausgehend hat sich in den letzten Jahren ein Neurozentrismus herausgebildet, der auf der Annahme basiert, dass Ich gleich Gehirn ist. Markus Gabriel hingegen hegt begründete Zweifel, dass wir uns auf diese Weise selbst erkennen können. Er greift das wissenschaftliche Weltbild an und lädt ein zur Selbstreflexion anhand zentraler Begriffe wie Ich, Bewusstsein oder Freiheit mit Hilfe von Kant, Schopenhauer und Nagel, aber auch Dr. Who, The Walking Dead und Fargo. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer gegen den Neurozentrismus stellt Markus Gabriel eine neue Verteidigung des freien Willens vor und gibt eine Anleitung zum philosophischen Nachdenken über uns selbst.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2016

Andrea Roedig hält das Buch des Philosophen Markus Gabriel für ein Werk zur richtigen Zeit. Gabriels Kritik an den materiell orientierten Naturwissenschaften im Sinne eines "Neuen Realismus" leuchtet ihr ein. Laientauglich, so Roedig, breitet der Autor die Positionen der gegenwärtigen analytischen Philosophy of Mind aus, bietet einen Ritt durch die Tradition nichtanalytischer Bewusstseinsphilosophie, kritisiert die "Darwinitis" und mündet schließlich in ein Plädoyer für die Geisteswissenschaften, das naturwissenschaftliche Erkenntnisse durchaus berücksichtigt, wie Roedig meint. Weil der Autor leichtfüßig schreibt, Argumente exemplarisch unterlegt und nur manchmal den Faden verliert, verbucht die Rezensentin das Buch als Gewinn und eher seltenes Ereignis aus der philosophischen Abteilung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.01.2016

Der Berliner Philosoph Michael Pauen nimmt das neue Buch seines Bonner Kollegen Markus Gabriel schonungslos auseinander. In "Ich ist nicht Gehirn" lege sich Gabriel hauptsächlich mit theoretischen Strohpuppen an - dem Neurozentrismus etwa, den er für eine Reihe von unglücklichen Fehlschlüssen verantwortlich mache, die dem Menschen jede Würde nehmen. Irgendwer mag irgendwann mal allen möglichen Stuss behauptet haben, aber mit aktuellen Debatten hat das nichts zu tun, so der verärgerte Rezensent. Gabriel erstelle Karikaturen von Theorien, die er dann vollmundig kritisiere Das Ergebnis erscheint dem Rezensenten äußerst dürftig.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.01.2016

Der emeritierte Ethik-Professor Friedrich Wilhelm Graf erkennt in Markus Gabriels Streitschrift eine Replik auf das Buch "Wir sind unser Gehirn" des niederländischen Hirnforschers Dick Swaab von 2011. Der Philosoph Gabriel setze sich nun gegen die Ansicht zur Wehr, mithilfe der Neurowissenschaft lasse sich grundsätzlich Neues über den menschlichen Geist erfahren. Der Rezensent Graf mag die Polemik des Buches, er lobt die in seinen Augen gut verständlichen und starken Argumente sowie die anschaulichen Beispiele. Allerdings, so kritisiert Graf dann, spiele der Autor "die Überlegenheit seiner philosophischen Bildung über die erkenntnistheoretisch nur naiven Dogmatismen auch prominenter Naturwissenschaftler" zu sehr aus. Für Markus Gabriel würden die "Neurozentriker" letztlich nur Wirtschaft und Überwachungsstaat in die Hände spielen. Graf hingegen deutet an, dass die Philosophie des Geistes seines Erachtens durchaus auch von der Hirnforschung lernen könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2016

Kurz, aber intensiv setzt sich die Darmstädter Philosophin Petra Gehring mit zwei Büchern auseinander, die die Idee eines Bewusstseins und einer menschlichen Handlungsfähigkeit gegen deterministische, vor allem naturwissenschaftliche Theorien zum Gegenstand verteidigen: Markus Gabriels "Ich ist nicht Gehirn" und Philipp Hübls "Der Untergrund des Denkens". Thema und Stoßrichtung beider Bücher gleichen einander - und Gehring scheint sie zu teilen: Beide Philosophen bringen Argumente gegen den "Neuro-Hype", also die Idee, dass wir nur hilflose Marionetten unserer Hirnströme seien. Beide Bücher nennt sie im übrigen gut und leicht lesbar. In den "Argumentationspfaden" aber unterscheiden sich die Bücher laut Rezensentin. Im Detail neigt sie dabei Hübl zu, der eher empirische Belege suche, während Gabriel - recht oberflächlich, wie Gehring darlegt - Ideologiekritik betreibe. Hübl scheint eher psychologisch zu argumentieren, weniger philosophisch, sprachlich sei er überdies besser als Gabriel. Diesem dagegen hält sie trotz aller Kritik zugute, dass er die "Rückbindung an klassische Theoriebildung" zum Thema stark mache. Bei beiden Autoren kritisiert sie, dass sie nicht auf die aktuelle Diskussion "ihresgleichen"  zum Thema eingehen, die bereits existiere - die einschlägigen Autoren seien nicht mal im Literaturverzeichnis genannt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015

Etwas zwiespältig bleibt Rezensent Jens Bisky nach der Lektüre von Markus Gabriels Philosophie des Geistes zurück, die nun unter dem Titel "Ich ist nicht Gehirn" erschienen ist. Durchaus interessiert folgt der Kritiker der höflichen Polemik des Philosophen gegen Naturalismus, Materialismus, Determinismus, Neurozentrismus und Darwinismus und lässt sich auch nicht abgeneigt auf Gabriels philosophische Einsichten zu Bewusstsein, Selbstbewusstsein und Ich ein. Zufrieden ist Bisky auch mit der Darstellungsweise des Philosophen, der seine neo-existentialistischen Thesen anhand von Anekdoten, Fernsehserien und Filmen erläutert und verschiedene Irrtümer des Denkens genau betrachtet. Trotz instruktiver Einführungen zu Johann Gottlieb Fichte oder John Searle muss der Rezensent allerdings gestehen, dass ihm nicht nur Adorno, Horkheimer oder Foucault zu kurz kommen, sondern überhaupt alle ideologischen Gegner lediglich kurz abgewatscht werden. So bleibt dem Kritiker, der auch Erläuterungen zum Verhältnis von Rechenmaschinen und Geist vermisst, nach der Lektüre nur das "Versprechen" einer Philosophie des Geistes.
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