Sandra Blakeslee, Vilaynur S. Ranachandran

Die blinde Frau, die sehen kann

Rätselhafte Phänomene unseres Bewusstseins
Cover: Die blinde Frau, die sehen kann
Rowohlt Verlag, Reinbek 2001
ISBN 9783498057503
Gebunden, 511 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Oliver Sacks. Deutsch von Heiner Kober. Oliver Sacks, der Altmeister der erzählenden Neurowissenschaft, sieht in Ramachandran seinen legitimen Nachfolger. Wie Sacks erzählt der weltberühmte Forscher Vilaynur S. Ramachandran voller Respekt die Lebensgeschichten von Menschen, die mit einem veränderten Gehirn in einer anderen Welt leben. Was sich im Bewusstsein dieser Patienten abspielt, nennen wir Phantome und meinen damit, es seien bloße Einbildungen ohne Entsprechungen in der Wirklichkeit. Ramachandran versteht es, diese fremdartigen und befremdenden Erscheinungen zu entschlüsseln und so neues Licht zu werfen auf die Tiefenstrukturen des menschlichen Gehirns. Professor Ramachandran gehört zu den international führenden Neurowissenschaftlern. Doch anders als die meisten seiner Kollegen benötigt dieser originelle Forscher keinen Hightech-Maschinenpark, sondern arbeitet mit so simplen Hilfsmitteln wie Wattetupfern, Wassergläsern und Billigspiegeln. Sein Forschungsgegenstand sind die bizarren neurologischen Störungen und Ausfälle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2001

Sonja Zekri zeigt sich ausgesprochen angetan von diesem "zauberhaften", "eindrucksvollen" Buch, auch wenn sie einräumt, dass Ramachandran sich bisweilen selbst ein wenig zum Exzentriker stilisiert. Doch ihr gefällt die ansteckende Neugierde und Begeisterung, die der Autor bei seinen Untersuchungen versprüht. Dazu kommt, dass die Experimente, die Ramachandran schildert, nach Zekris Beschreibung nicht nur durch Anschaulichkeit bestechen, sondern auch für Laien gut nachvollziehbar sind. Begeistert erzählt Zekri also von Experimenten, die aufzeigen, dass bestimmte Hirnregionen für andere, zerstörte oder geschädigte, eintreten können und was daraufhin passiert oder mit welchen Spiegel-Tricks der Autor einen Armamputierten von seinem Phantom-Schmerz befreite, indem er die zuständigen Hirn-Regionen quasi "überlistete". Die wichtigste Erkenntnis, die die Rezensentin aus diesem Buch gezogen hat, läuft darauf hinaus, dass sich Gefühle, Schmerzen, aber auch das Bild des eigenen Körpers und des Selbst als Illusion erweisen, die durchaus überlistet werden kann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.02.2001

Manuela Lenzen zeigt sich überaus beeindruckt von diesem Buch und bescheinigt dem Autor eine Fülle von "sprühenden" Ideen, die zu weiteren Forschungen und Experimenten anregen werden, wie sie prophezeit. Im Mittelpunkt des Buchs stehen, so Lenzen, neben Grundsätzlichem über die Bauweise und Funktion des Gehirns vor allem Überlegungen und Experimente, die Licht auf den sogenannten Phantomschmerz werfen. Bei einem Versuch Ranachandrans, von dem sich die Rezensentin besonders fasziniert zeigt, wurde einem armamputiertem Mann durch eine Konstruktion die rechte vorhandene Hand dergestalt gespiegelt, dass es aussah, als ob die linke amputierte ebenfalls noch vorhanden sei. Durch bestimmte Entspannungstechniken mit der rechten Hand verschwand nun auch der Phantomschmerz in der linken amputierten Hand. Wie dies zu erklären ist, wird nach Lenzen in diesem Buch sehr anschaulich erläutert. Ein anderes Thema sind die spirituellen Erfahrungen, die Epileptiker während eines Anfalls erleben, bei denen die Betroffenen oftmals sogar eine "Kommunikation mit Gott" erleben, wobei sich - wie der Autor erläutere, die Frage stellt, ob ein Arzt `dem Allmächtigen das Besuchsrecht verwehren` dürfe. Insgesamt ein "Buch, das staunen macht", so die Rezensentin.

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