Michael Köhler erschließt die europäische Rechtsphilosophie, insbesondere die Leistung Kants und entwickelt aus dem Prinzip des freiheitlichen Rechts den Begriff und die Hauptformen der Gerechtigkeit. Grundbegriffe wie das Menschenrecht, die Menschenpflichten, das Privatrecht, ursprünglicher Erwerb und Vertrag bilden die Grundlage für die Gerechtigkeitsformen und deren Konkretisierung vor allem in Familie und Gesellschaft. Besonders herausgestellt wird, im Gegenzug zur krisenhaften Gespaltenheit der Besitzverhältnisse, die Teilhabegerechtigkeit, die aufgrund des ursprünglichen Gemeinbesitzes an der Weltsubstanz jedem Subjekt ein vermögensproportionales Erwerbsrecht einräumt. Der Gerechtigkeitssystematik entsprechen der demokratische, auf verantwortliche Repräsentation gegründete Rechtsstaat sowie ein Bund souveräner Staaten, dessen Verfassung in weltbürgerlicher Perspektive auch drängende Probleme internationaler Gerechtigkeit lösen könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2017
Michael Pawlik hat großen Respekt vor Michael Köhlers ungeschützer Darlegung seines Wissenschaftlerlebens in diesem Buch. Dass der Autor sich mit allen Einseitigkeiten und Übertreibungen, Ecken und Kanten ins Thema stürzt, findet er bemerkenswert. In wissenschaftlicher Hinsicht bietet ihm das Buch eine Menge. Vor allem den Verzicht auf Anbiederung und billige Effekte, findet Pawlik. Dass Köhlers Ausführungen zur internationalen Teilhabegerechtigkeit im Vergleich zu seinen genauen Erörterungen zur innerstaatlichen Sachlage eher knapp und defensiv ausfallen, kann Pawlik daher verkraften. Wenn der Autor in seinem Buch mit Kant für ein selbstbestimmtes Leben, die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Vermögen und gegen den Wirtschaftsinterventionsstaat polemisiert, hat der Rezensent seine Freude, auch wenn dem Leser viel deduktive Energie abverlangt wird, wie er schreibt.
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