Idyllische Landschaften bergen dunkle Geheimnisse. An die offiziellen Opfer des 20. Jahrhunderts erinnern Mahnmale und Kriegerdenkmäler. Doch wo gedenken wir der Tausenden namenlos gewordenen, heimlich verscharrten toten Juden oder Roma, Antikommunisten oder Partisanen? Wie leben wir in Landschaften, die kontaminiert sind mit den unzähligen vertuschten Massakern Mitteleuropas im burgenländischen Rechnitz genauso wie im slowenischen Kocevski Rog oder in Kurapaty bei Minsk? Martin Pollack geht es um das schonungslose, aber sorgsame Zeichnen einer anderen, wahrhaftigeren Landkarte unseres Kontinents. Einer Landkarte, in der Erinnerung und Verortung an die Stelle vergifteter Geheimnisse und anonymer Gräber treten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2014
Martin Pollacks neuer Essay "Kontaminierte Landschaften" fügt sich passgenau in eine lange Reihe von Veröffentlichungen, in denen sich der Historiker den Geschichten hinter anonymen Gräbern und Denkmälern, vor allem im Osten Europas, gesetzt hat, um das fahrlässige Vergessen der Leben und Ereignisse hinter ihnen zu verhindern, berichtet Georg Renöckl. Und unter unzähligen idyllischen Landstrichen verbergen sich tatsächlich "gut getarnte Gräber"; unter Wiesen, Feldern und in Höhlensystemen sind die Spuren der Verbrechen des Zwanzigsten Jahrhunderts noch vorhanden, auch wenn sie immer unleserlicher werden, so der Rezensent. Gerade deshalb ist Pollacks Arbeit so wichtig, findet Renöckl: die Zeit arbeitet gegen die Erinnerung.
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