Emir Suljagic

Srebrenica

Notizen aus der Hölle
Cover: Srebrenica
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2008
ISBN 9783552054479
Gebunden, 240 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Griesshaber. Dieses Buch ist der einzige Bericht eines Zeugen beim größten Massaker in Europa nach 1945. Der damals knapp 18-Jährige Emir Suljagic, der 1992 im Bosnienkrieg mit Tausenden anderen in das vermeintlich sichere Srebrenica in Bosnien geflüchtet war, berichtet vom Hunger, von den dauernden Angriffen der Serben - und auch von der spärlichen Gegenwehr der Eingeschlossenen. Als der UN-Sicherheitsrat die Einrichtung einer Schutzzone beschließt, wird Suljagic Dolmetscher der UNO, eine Aufgabe, die ihm letztlich das Leben retten wird. Am 11. Juli 1995 nehmen Truppen der bosnisch-serbischen Armee unter Ratko Mladic die Enklave ein, tags darauf lässt Mladic alle Männer zwischen zwölf und 72 Jahren von ihren Angehörigen trennen, einige werden sofort erschossen. Insgesamt sollen nach dem Fall der Stadt an die 8000 Menschen ermordet worden sein. Emir Suljagic beschreibt Unfassbares mit großer Eindringlichkeit und zeigt, wie wenig es braucht, den Nächsten im Stich zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2009

Emir Suljagics Buch hat den Rezensenten Andreas Breitenstein tief beeindruckt. Er würdigt diesen Augenzeugenbericht über die Massaker von Srebrenica, wo in den umliegenden Wäldern 1995 rund 8000 bosniakische Männer von Truppen der bosnisch-serbischen Armee unter General Ratko Mladic ermordet wurden, als ein "aufrichtiges, mit heller Erinnerung und dunklem Ernst verfasstes Buch". Dabei attestiert er dem Autor, der damals nur überlebte, weil er Uno-Dolmetscher war, eine "atmosphärische Verdichtung und gedankliche Durchdringung, die weit ins Literarische hineinreicht". Er hebt hervor, dass Suljagic nur Dinge beschreibt, die er selbst erlebt hat. Besonders haben Breitenstein die Passagen berührt, die die verzweifelte, oft tödlich endende Suche von Menschen nach Hilfspakten im Umland schildere. Die allgegenwärtige Bedrohung der Menschen wird für ihn eindringlich spürbar wie auch ihre seelische Abstumpfung und die Gleichgültigkeit der Welt. "Der Schatten Srebrenicas, der über uns allen liegt", resümiert der Rezensent, "hat mehr Tiefe und Kontur bekommen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2009

So plakativ Andreas Platthaus den Untertitel auch findet, seiner Meinung nach besticht das Buch des 1975 geborenen Emir Suljagic durch seine bedingungslose Ehrlichkeit und verdient als Erinnerung an das unfassbare Massaker von Srebrenica größte Aufmerksamkeit. Dass der Autor den Text als achronologische Folge höchst subjektiver Notizen angelegt hat, ändert für den Rezensenten nichts an seinem Wert. Platthaus schätzt die Konkretheit der Schilderungen eines wichtigen Teils der Geschichte, den wir noch nicht kennen. Ist uns das Ende der sogenannten Schutzzone auch bekannt, über das tägliche (Über-)Leben in der Enklave, meint Platthaus, erfahren wir erst jetzt.
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