Mit 5 Abbildungen. Mehr als 30 Monate lang war die deutsche Wehrmacht an der Ostfront auf dem Rückzug. Dabei erlitt sie den größten Teil ihrer Verluste und hinterließ riesige Gebiete verwüstet und entvölkert. 47 Monate dauerte der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion. Mehr als 30 Monate davon war die Wehrmacht auf dem Rückzug. Und doch stehen in der Erinnerung wie in Geschichtsschreibung zumal in Deutschland vor allem die Siege der Wehrmacht im Vordergrund. Den Jahren nach Stalingrad wird hingegen nur geringe Aufmerksamkeit gewidmet. In diesem Buch wird die Geschichte der Rückzugsbewegungen an der Ostfront erstmals im Zusammenhang und auf breiter Quellenbasis untersucht - mit eindringlichen Ergebnissen: Unter den hohen deutschen Militärs waren Rückzüge als Zeichen der Niederlage verschrien und mit Furcht vor der Auflösung der eigenen Truppen verknüpft. Umso mehr versuchten sie, die eigene Handlungsmacht zu demonstrieren - ohne Rücksichten: Mehr als zwei Drittel ihrer Verluste an der Ostfront erlitt die Wehrmacht während der Rückzugsmonate. Millionen Menschen wurden von den Deutschen verschleppt. Die Wehrmacht zerstörte zehntausende von Dörfern und Städten auf den Rückzügen, vor allem in der Ukraine und dem heutigen Belarus hinterließen die Deutschen menschenleere "Wüstenzonen". Hunderttausende kamen dabei ums Leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2025
Interessiert liest Rezensent Thomas Karlauf Christian Steins geschichtswissenschaftliche Studie über den Rückzug der Wehrmacht von der Ostfront des Zweiten Weltkriegs ab 1941/42. Der Kritiker liest hier von den Kriegsereignissen in Russland nach dem Ende des Vormarsches der deutschen Truppen. Zentral geht es Stein darum, dass die Heeresleitung in die Kriegsverbrechen im Zuge dieses Rückzugs involviert war, konkret geht es ums Niederbrennen ganzer Dörfer und die Verschleppung aller arbeitsfähiger Menschen, informiert der Kritiker. Deutsche Kriegstagebücher und Aktenmaterial, das russische Truppen erbeutet hatten, stellen laut Karlauf die Materialgrundlage eines Buches dar, das klarstellt, dass die Verantwortung für die Politik der "verbrannten Erde" - vorhandenen Eigeninteressen etwa der Reichsführer-SS zum Trotz - bei den Oberbefehlshabern der Wehrmacht lag. Insofern legt Stein hier ein wichtiges Buch vor, das vor allem gegen die in den 1950er Jahren aber auch gegen die jüngst wieder aufkeimenden revisionistischne Tendenzen in der Geschichtswissenschaft anschreibt, schreibt der Rezensent.
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