Band 3 der Ausgewählten Werke von Manès Sperber, betreut von Wolfgang Müller-Funk, enthält die wichtigsten Essays zur Kulturtheorie und Gesellschaftsanalyse: Zur Analyse der Tyrannis. Das Unglück begabt zu sein. Zwei sozialpsychologische Essays / Djilas oder die bestrafte Reue / André Malraux und die Politik / Charles de Gaulle oder der besiegte Sieger / Psychisches Glück ist eine Überwindungsprämie / Der vielfältige Tod des Wladimir Iljitsch / Positionen. Ein Essay über die Linke / Über den Haß / Das Wüten der Gewalt / Churban oder die unfassbare Gewissheit / Dieses mein Judentum. Versuch eines Selbstporträts / Die Liebe und Casanova / Fjodor M. Dostojewski: Ein biographischer Essay / Weinen um Hekuba - oder die Erwägungen über Wirkung und Nachwirkung der Literatur / Friedrich Nietzsche / Die Hafnergasse oder die unerreichbare Nähe / Das Österreichische an Alfred Adler / Wien - Hauptstadt versschiedener Völker / Leben im Jahrhundert der Weltkriege. Alle Bände dieser Ausgabe bieten einen Stellenkommentar, um historische Bezüge aufzuschlüsseln, sowie ein kontextualisierendes Nachwort, das in die jeweiligen Texte einführt.
Selten war die Neuausgabe eines Klassikers aktueller als in diesem Fall, betont Rezensentin Angela Gutzeit, die in einem langen Essay neben seinem Romanzyklus "wie eine Träne" auch Sperbers Autobiografie und seine Essays bespricht. Diese Essays bieten Reflexionen, die heute geradezu bestürzend wirken. Sperbers Fragen zu ideologischer Verführbarkeit, zu Macht und Angst, stellen sich für die Rezensentin sowohl im Kontext des Ukrainekriegs als auch mit Blick auf den Krieg in Israel in aller Frische neu. Besonders empfiehlt die Rezensentin Sperbers Aufsatz "Zur Analyse der Tyrannis", noch 1937 im Zeichen des Terrors geschrieben. Darin findet sich der Satz: "Der Tyrann verspricht, diese Krise zu überwinden, den Wohlstand für ewig zu sichern. Das versprechen andere auch. Er aber bietet noch mehr und Wesentliches: den Mythos vom Feinde." Mindestens ebenso zentral sind laut Gutzeit für Sperber aber auch Fragen nach seiner Herkunft im jüdischen Schtetl, dem er in seiner Romantrilogie ein Denkmal setzte. Darin findet sich auch eine bis heute prophetische Auseinandersetzung mit Hannah Arendt und eine vehemente Verteidigung Israels.
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