Lukas Maisel

Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete

Roman
Cover: Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498007300
Gebunden, 128 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Sowjetunion, 1983. Stanislaw Petrow lebt ein beschauliches Leben mit seiner Frau Raisa und den beiden Kindern Jelena und Dimitri. Jeder Tag folgt derselben Ordnung. Arbeit, Schule, Piroschki mit Pilzen zum Abendessen. Was ihr "Stasik" den ganzen Tag bei der Arbeit genau macht, weiß seine Familie jedoch nicht. Eine strenggeheime Tätigkeit in einem geheimen Städtchen. Eines Nachts übernimmt Petrow die Schichtleitung für einen erkrankten Kollegen - und wird bei seiner Rückkehr nicht mehr derselbe sein. In einer scheinbar normalen Nacht im Jahr 1983 hat Stanislaw Petrow über das Schicksal der ganzen Welt entschieden.Lukas Maisel führt uns mit seinem neuen Roman in die Zeit des Kalten Krieges, in der ein Fehlalarm des atomaren Abwehrsystems fast einen Dritten Weltkrieg ausgelöst hätte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2025

Rezensent Oliver Jungen zeigt sich enttäuscht von Lukas Maisels Novelle über Stanislaw Petrow, dessen Besonnenheit 1983 einen Atomkrieg verhinderte. Zwar sei das historische Ereignis beeindruckend, doch die literarische Umsetzung wirkt blass. Maisel beschränkt sich auf introspektives Erzählen mit Tendenz zum Kitsch - viele Sätze klingen nach Schreibschule, lesen wir. Stilistisch schwach bleiben auch die allzu plumpen Vorausdeutungen ("Irgendwann hören sie schon auf"). Petrow erscheint als "reflektierter Logiker", ein Kontrast zur Darstellung im Film "The Man Who Saved the World", in dem er als Alkoholiker dargestellt wurde. Zwar enthält die Erzählung starke Momente - etwa Petrows Zögern trotz fünf angeblicher Raketen -, doch sie gerät zur gut gemeinten, aber literarisch schwachen Parabel. Trotz guter Recherche und Absicht, so der Kritiker, bleibt ein Gefühl der literarischen Unterschätzung dieses dramatischen Moments.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2025

Recht missmutig bespricht Rezensent Paul Jandl Lukas Maisels neuen Roman. Dabei hat der, findet Jandl, ein interessantes Thema - Maisel widmet sich nämlich Stanislaw Petrow, der, als Oberstleutnant der sowjetischen Luftabwehr im September 1983 vor der Entscheidung stand, ob er nach der Fehlmeldung vom Start amerikanischer Atomraketen einen sowjetischen atomaren Gegenschlag auslösen soll. Er tat es, wie wir heute wissen, nicht und Maisel widmet diesem entscheidenden Nichtstun nun einen kleinen Roman, der Jandl zufolge mir Russlandkitsch nicht geizt. Wir lernen Petrow als einen verträumten Typen kennen, der schon in der Jugend gern gen Himmel blickt. Was bei Maisel jedoch fehlt, kritisiert Jandl, sind Versuche, Petrows Handeln in größere Zusammenhänge einzuordnen. So bleibt das Buch ein allzu poetisches Charakterporträt, und das ist Petrows historischer Rolle schlicht nicht angemessen, ärgert sich Jandl.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.02.2025

Als "Seelen-Kammerspiel" bezeichnet Rezensent Jan Drees diese Novelle von Lukas Maisel, der sich darin den 18 Minuten widmet, die 1983 darüber entschieden haben, ob die Menschheit weiterhin Bestand hat. Der Offizier Stanislaw Petrow hat in dieser Nacht Dienst im Bunker, als das Abwehrsystem eine Atomrakete aus Amerika ankündigt. Ihm bleibt wenig Zeit, eigentlich müsste er laut Protokoll direkt zum Gegenangriff übergehen, aber er besinnt sich, wie Drees ausführlich zitiert. Es kommt also nicht zur atomaren Auslöschung. Die Überlegungen Petrows, in denen Albert Einstein ebenso vorkommt wie seine Frau Raisa, kommen für den Kritiker zum richtigen Zeitpunkt: Drei Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist diese Geschichte, die den nackten Fakten poetische Räsonierungen entgegensetzt, eine wichtige Besinnung auf das Wesentliche.

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