Steffen Kopetzky

Atom

Roman
Cover: Atom
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783737101523
Gebunden, 416 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

London zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Eigentlich will Simon Batley nie wieder mit dem britischen Geheimdienst zu tun haben. Jahre zuvor, als Physikstudent in Berlin, arbeitete er ihm zu, naiv und undercover. Das führte zu einer Katastrophe, die Batley nie ganz verstand, auch seine große Liebe zu seiner Kommilitonin Hedi von Treyden endete jäh. Doch der Krieg ändert alles. Agent Batley stößt auf die Spur einer neuen Waffe der Deutschen, von nie gekannter Zerstörungskraft. Bald darauf, instruiert von Niels Bohr und Rudolf Heß, reist er als Spion nach Lissabon - und schließlich ins Dritte Reich. Er will den mysteriösen Hans Kammler aufspüren: Der ist als Chefplaner von unterirdischen Forschungsstätten und geheimer Waffenprogramme einer der mächtigsten Nazis. Während Batley versucht, vor den Sowjets und den USA an die deutsche Technik und an Kammler zu kommen, folgt er auch einer persönlichen Mission: Er will Hedi wiederfinden und endlich klären, was damals in Berlin geschah.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2025

Rezensent Christoph Schröder mag die Art, wie Steffen Kopetzky in seinen Büchern solide Recherche und Fiktion zusammenführt - und auch im aktuellen Buch funktioniert die Methode, eine erfundene Figur in die Realgeschichte hinein zu platzieren, wieder gut. Die ausgedachte Person heißt diesmal Simon Batley, er ist ein Geheimagent der Engländer, der 1939 den Auftrag erhält, in Deutschland, wo er schon einmal aktiv war, etwas über eine deutsche Superwaffe heraus zu finden. Eine weitere wichtige Figur des Buches ist laut Schröder Hans Kammler, ein Waffen-SS-General, der am Bau von KZs entscheidend beteiligt war, Ian Fleming hat einen Auftritt, neben allerhand Geschichtsspekulationen spielt auch die Liebe eine Rolle. Alles läuft in diesem Buch auf den historischen Wendepunkt 1945 hin, erfahren wir abschließend von einem Rezensenten, der diesen "schmissig erzählten Agentenroman" gern empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2025

Alles in allem ziemlich enttäuschend, was Steffen Kopetzky hier aufs Papier bringt, findet Rezensent Stefan Michalzik. Von der Raffinesse früherer Kopetzky-Bücher ist in diesem Roman wenig zu spüren, obwohl er ein interessantes Thema behandelt, wie Michalzik ausführt: Das deutsche Atomprogramm um Wissenschaftler wie Werner Heisenberg oder auch den Waffen-SS-General Hans Kammler. Im Zentrum des Romans stehen jedoch fiktive Figuren, allen voran Simon Bartley, ein MI6-Agent, der der vermeintlichen deutschen "Wunderwaffe" auf der Spur ist, sowie Hedi, eine Mitarbeiterin Kammlers, in die Bartley sich verliebt. Platt bleibt diese Gefühlsebene, ärgert sich der Rezensent, auch ist die Geschichte uninspiriert linear erzählt, wie es dem Autor abgesehen von ein paar recht spannenden Wendungen nicht gelingt, den Plot mit den Mitteln der Literatur ansprechend auszuarbeiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2025

Wenig erfreulich gerät die Lektüre dieses Spionageromans Steffen Kopetzkys, schimpft Rezensent Oliver Jungen. Die Figuren findet er misslungen, die Liebesgeschichte zwischen der Hauptfigur, dem Briten Simon Batley, der in den 1920ern die deutsche Raketenwissenschaft ausspioniert und dann während der Nazizeit Hitlers Superbombe sucht und der deutschen Wissenschaftlerin Hedwig von Treyden, überzeugt ihn ebenfalls nicht. Das Setting immerhin ist interessant, meint Jungen: Es geht um das internationale Interesse an deutscher Raketentechnik in den 1930ern. Gut gefällt Jungen zudem, dass Kopetzky einen ungewöhnlichen Fokus wählt, indem er sich auf die Rolle des SS-Manns Hans Kammler konzentriert, der in den letzten Jahren die NS-Waffenproduktion unter Tage anleitete. Dass der Roman allerdings ziemlich spekulative Theorien des Historikers Rainer Karlsch aufgreift, der der Ansicht ist, dass die Deutschen tatsächlich eine kleine Atombombe entwickelt hatten und der auch die Theorie entwickelte, dass Kammler keineswegs Selbstmord beging, sondern zu den Amerikanern flüchtete, stößt Jungen sauer auf. Regelrecht unverantwortlich findet er solche Plotkonstruktionen, eben weil es sich hier nicht um eine figurenzentrierte fiktionale Geschichte handelt, sondern um eher hölzerne Prosa, die sich wie historisches Reenactment liest. Lesevergnügen kommt bei Jungen alles in allem eher wenig auf.

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