Leila Slimani

Dann schlaf auch du

Roman
Cover: Dann schlaf auch du
Luchterhand Literaturverlag, München 2017
ISBN 9783630875545
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen? Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2017

Zweite Romane sind immer eine ganz besondere Herausforderung, insbesondere wenn der erste ein Erfolg war - Leila Slimani hat diese Herausforderung glänzend gemeistert, freut sich Rezensentin Meike Fessmann. "Dann schlaf auch du" ist ein "Porträt der sozialen Verwerfungen" in Frankreich und einer Gesellschaft, in der Überforderung und Druck Normalzustand geworden sind, in der Familie und Karriere sich gefälligst verbinden lassen sollen und zwar so, dass man das Ergebnis guten Gewissens vorzeigen kann - raffiniert komponiert, sensibel verdichtet und äußerst treffsicher wird hier die Geschichte erzählt von Paul und Myriam, einem ehrgeizigen Ehepaar, das sich wie so viele mühevoll und immer ängstlich auf dem schmalen Grat zwischen der Gefahr der helikoptrischen Überbemutterung auf der einen und Verantwortungsflucht auf der anderen Seite, vorwärtsbewegt bzw. bewegte, denn als der Roman einsetzt, sind die beiden Kinder von Myriam und Paul bereits tot, lässt Fessmann wissen - ermordet von ihrer scheinbar so perfekten Nanny, über deren Lebensumstände sich die beiden leider viel zu spät begonnen haben, Gedanken zu machen. Es ist ein bedrückendes, ein düsteres, spannendes, eindrucksvolles, originelles und aktuelles Buch, das Slimani geschrieben hat, so die hingerissene Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2017

Roman Bucheli lässt sich nicht überzeugen von Leïla Slimanis Roman. Auch wenn die Autorin mit erzählerischer Virtuosität glänzt, meint er, geht sie ihrer eigenen Story auf den Leim und bringt nicht mehr als eine simpel gestrickte Gesellschaftskritik zustande, derzufolge der Täter (in diesem Fall eine Kinder mordende Nanny) immer auch das erniedrigte und beleidigte Opfer ist. Aller Sarkasmus, mit dem die Autorin doppelte moralische Standards aufspießt, alle Präzision der Komposition halten Bucheli nicht bei er Stange. Zu genau, meint er, weiß die Autorin von Anbeginn, wo das Gute, wo das Böse zu finden ist. Die "penetrant" ausagierte Unausweichlichkeit der Tat, so Bucheli, degradiert die Figuren zu Marionetten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.10.2017

Rezensentin Elise Graton liest Leila Slimanis Roman "Dann schlaf auch du" als brillantes Sittenbild der modernen französischen Gesellschaft. Kenntnisreich, lakonisch und auf Populärpsychologie verzichtend gewährt die französisch-marokkanische Schriftstellerin Einblicke in ein bourgeoises Milieu, das grün, gebildet und weltoffen scheint, bei näherem Hinsehen jedoch zahlreiche Widersprüche im Blick auf Werte und deren Umsetzung offenbart, lobt die Kritikerin. Wenn Slimani von der gutsituierten, in Maghreb geborenen Myriam, ihrem erfolgreichen Mann und der französischen Nanny erzählt, gewinnt Graton eindringliche Einblicke in latenten Rassismus, Klassen- und Geschlechterunterschiede.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 26.08.2017

"Unerhört" findet Rezensent Tilman Krause diesen Roman der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leila Slimani, der von Kindsmord im Speziellen und von der Unsicherheit unserer bürgerlichen Verhältnisse im Allgemeinen erzählt. Von Beginn an ist klar, was geschehen wird, und auch der Erzählstil bleibt eher kühl protokollarisch, meint Krause und kann sich doch der Sogkraft der Geschichte nicht entziehen: Denn Slimani weiß nicht nur das Mittelschichts-Milieu der Kindseltern und die prekären Verhältnisse ihres Kindermädchens klug und einfühlsam zu beschreiben, sondern sie erspart sich und uns auch einfache Antworten, lobt Krause, der dem Buch "brutale Wucht" attestiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2017

Sandra Kegel bekommt bei Leila Slimani ein aktuelles Sittenbild, scharf wie mit dem Messer geschnitten. Der Realismus der Erzählung ist es, der Kegel berückt. Die Geschichte eines fatalen Missverhältnisses zwischen einer Pariser Bürgerfamilie und ihrer aus prekären Verhältnissen kommenden Kindermädchens kann ihr die Autorin mit viel Sinn fürs Unheimliche, mit Präzision und Suspense vermitteln. Dass Slimani ihre Figuren nicht verurteilt oder entschuldigt, findet Kegel sinnvoll.
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