Durs Grünbein

Zündkerzen

Gedichte
Cover: Zündkerzen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427538
Gebunden, 152 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Zündkerzen" ist eine Sammlung von 83 Gedichten in den unterschiedlichsten Formen, variierend in kurzen und langen Zeilen. Es sind Traumstücke, Redepartikel, Prosagedichte, zerbrochene Sonette, Sequenzen wie aus Unfallprotokollen. Jedes dieser Stücke entzündet sein eigenes Leuchten, seine kleine oder größere Epiphanie. Hier schreibt ein Dichter, der keiner Schule angehört, keiner modischen Strömung - ein Beobachter des Realen, neugierig auf die diesseitigen Dinge, hellwach für ihr Verschwinden.
Zwei Langgedichte ziehen mächtige Stützpfeiler in die Struktur der Sammlung - reine Anschauung einer südlichen Metropole: "Das Photopoem", Elegie vom musealen Leben: "Die Massive des Schlafs". Es gibt Liebesgedichte, erotisch direkt, ebenso wie Momente der Verlusterfahrung als Demontage der Sonettform. Ein Gedichtzyklus über die Pinie nähert sich reiner Lautmusik und wird zum Verbarium, in dem die Buchstaben tanzen. "Zündkerzen" sind Dinge, keine Ideen und erst recht keine Konzepte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.09.2017

Jürgen Verdofsky begegnet Durs Grünbeins diskursivem Talent, aber auch dem Nonchalanten in den neuen Gedichten. Katharsis durch Erschöpfung, vermutet der Rezensent, einigermaßen gefordert und geschafft nach der Lektüre, an der uns der Rezensent durch ausgiebiges Zitieren teilhaben lässt. Zwischen Selbstzweifel, Selbstfindung und allgemeiner Vergänglichkeit scheinen sich ihm die Texte zu bewegen, der Dichter immer dabei als rasender Beobachter und Kommentator, "als seien alle Verse unterwegs entstanden", so Verdofsky. Dass Grünbein auch eigene Fotos mit abbildet, findet er okay, Formstrenge ade, aber Wissen und Wahrnehmung gehen Hand in Hand, meint der Rezensent.