Durs Grünbein

Zündkerzen

Gedichte
Cover: Zündkerzen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427538
Gebunden, 152 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Zündkerzen" ist eine Sammlung von 83 Gedichten in den unterschiedlichsten Formen, variierend in kurzen und langen Zeilen. Es sind Traumstücke, Redepartikel, Prosagedichte, zerbrochene Sonette, Sequenzen wie aus Unfallprotokollen. Jedes dieser Stücke entzündet sein eigenes Leuchten, seine kleine oder größere Epiphanie. Hier schreibt ein Dichter, der keiner Schule angehört, keiner modischen Strömung - ein Beobachter des Realen, neugierig auf die diesseitigen Dinge, hellwach für ihr Verschwinden.
Zwei Langgedichte ziehen mächtige Stützpfeiler in die Struktur der Sammlung - reine Anschauung einer südlichen Metropole: "Das Photopoem", Elegie vom musealen Leben: "Die Massive des Schlafs". Es gibt Liebesgedichte, erotisch direkt, ebenso wie Momente der Verlusterfahrung als Demontage der Sonettform. Ein Gedichtzyklus über die Pinie nähert sich reiner Lautmusik und wird zum Verbarium, in dem die Buchstaben tanzen. "Zündkerzen" sind Dinge, keine Ideen und erst recht keine Konzepte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2017

Rezensent Michael Braun kommt nicht umhin, in den Chor der gähnenden Kritiker einzustimmen und das, obwohl er sich vorgenommen hatte, unvoreingenommen zu lesen. Wenig, eigentlich gar nichts vom "kühnen Schwung" vergangener Tage, vergangener Dichtung Grünbeins ist mehr übrig. Die Gedichte in seinem inzwischen 17. Band sind deutlich beklommener, kleinmütiger und einfacher, teilweise so einfach, dass sie die plattesten "bildungstheoretischen Gemeinplätze" bespielen, so der enttäuschte Rezensent. Wie schon zuvor schöpft Grünbein in "Zündkerzen" zumeist aus dem Motiv-Pool der römischen Antike, lesen wir. Die Verse, die er dort herauszieht und nebeneinanderstellt, manchmal in, wie er findet, recht hölzernen Reimen, erscheinen jedoch leider nicht zeitlos im positiven Sinne, sondern einfach unzeitgemäß, abgedroschen im schlechtesten Sinne. Ein paar wenige Zeilen in einzelnen Gedichten erinnern noch an die Energie, die Stärke, die "Weltaneignungsgeschicklichkeit", die Grünbeins Lyrik einmal ausstrahlte - doch sie machen den Verlust nur noch deutlicher, klagt der unzufriedene Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.09.2017

Jürgen Verdofsky begegnet Durs Grünbeins diskursivem Talent, aber auch dem Nonchalanten in den neuen Gedichten. Katharsis durch Erschöpfung, vermutet der Rezensent, einigermaßen gefordert und geschafft nach der Lektüre, an der uns der Rezensent durch ausgiebiges Zitieren teilhaben lässt. Zwischen Selbstzweifel, Selbstfindung und allgemeiner Vergänglichkeit scheinen sich ihm die Texte zu bewegen, der Dichter immer dabei als rasender Beobachter und Kommentator, "als seien alle Verse unterwegs entstanden", so Verdofsky. Dass Grünbein auch eigene Fotos mit abbildet, findet er okay, Formstrenge ade, aber Wissen und Wahrnehmung gehen Hand in Hand, meint der Rezensent.