Klappentext

Aus dem Französischen von Caroline Vollmann. "Manette Salomon" ist ein Künstlerroman, der die Karrieren von fünf Malern im Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgt. Anatole und Coriolis buhlen mit nicht nur künstlerischen Mitteln um Anerkennung, werben in den Salons für sich und ihre Werke und eilen im Wettbewerb um die öffentliche Aufmerksamkeit virtuos durch Stile, Schulen und Genres, bis sich ihr Künstlerwettstreit mit der Rivalität um eine Frau verbindet. Der Auftritt von Manette Salomon, der modellsitzenden Muse von Coriolis, macht den Roman zum "Gruppenbild mit Dame", in dem die Präsenz der schönen Jüdin Manette den Malern den Blick auf ihre Kunst verstellt und schließlich alle künstlerischen Aspirationen beendet.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.01.2018

Französische Intellektuelle und Kunstschaffende im 19. Jahrhundert hatten mehr mit den Hippies des darauffolgenden Jahrhunderts gemein als mit ihren eigenen bürgerlichen Zeitgenossen, erkennt Rezensent Tilman Krause bei der für ihn überaus unterhaltsamen Lektüre des Romans "Manette Salomon", der vor genau 150 Jahren in Frankreich erschienen war. Die Brüder Goncourt beschreiben hier das abenteuerliche Leben von vier Bohemiens, die der Kunst, der Literatur, dem Lachen und dem Feiern ergeben sind. Auch Frauen spielen eine Rolle, allerdings und bedauerlicherweise nur, solange man sich nicht von ihnen in eine Heirat hinein tricksen lässt, wie Edmond und Jules Goncourt ihre Protagonisten ausführlichst erklären lassen. Diese misogyne Grundhaltung ist jedoch die einzige Schwäche des Romans, meint der Rezensent. Darüber hinwegsehend erkennt er in "Manette Salomon" ein äußerst anschauliches und aufschlussreiches Bild der Pariser Boheme um 1950.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

Rezensent Lothar Müller freut sich über diese erste deutsche Übersetzung des 1867 erschienenen Romans "Manette Salomon" der Brüder Goncourt. Der Kritiker taucht ein in die "flirrende Kunstwelt" der Industrialisierung, streift über die Pariser Weltausstellung im Jahre 1855 und begegnet neben jungen Künstlern und Nacktmodellen vor allem dem Affen Vermillon, der als "gezähmte Natur" zwischen Jardin des Plantes und der Welt der Kunst und Kunstkritik pendelt. Dachte der Rezensent bisher, die Tagebücher der Goncourts seien ihr Meisterstück, stellt er während der Lektüre der "spitzzüngigen", "zynischen" und "indiskreten" Beobachtungen zu Kunst, Presse, Prostitution und Gesellschaft, aber auch der malerischen Schilderungen der Interieurs fest, dass der Roman Werken von Flaubert oder Baudelaire in Nichts nachsteht. Ein fulminantes "Panorama" des 19. Jahrhunderts, das allerdings auch Einblicke in Rassismus und Antisemitismus der Goncourts gewährt, schließt er.
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