Simone de Beauvoir

Die Mandarins von Paris

Roman
Cover: Die Mandarins von Paris
Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783498004361
Gebunden, 1024 Seiten, 45,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen neu übersetzt von Claudia Marquardt und Amelie Thoma. Paris nach dem 2. Weltkrieg: Die Mandarins, das sind die Kaffeehaus-Intellektuellen, die sich über Politik und Literatur die Köpfe heißreden: Wie kann ein gesellschaftlicher Neubeginn aussehen? De Beauvoir skizziert das Klima im Nachkriegsfrankreich mit stilistischem Geschick und Einfühlungsvermögen und lässt die wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit lebendig werden, Camus, Sartre, Nelson Algren - und natürlich sich selbst. Anhand ihrer Hauptfigur, der Psychologin Anne Dubreuilh, lotet sie den schmerzhaften Riss aus, der zwischen öffentlichem und privatem Raum verläuft und so etwas wie die Grunderfahrung weiblichen Erlebens war - und immer noch ist? Die Aktualität dieses vielseitigen Buchs ist kaum von der Hand zu weisen: die Neuordnung der Linken, die Zeit der großen politischen Umbrüche und vor allem des Feminismus in einer Zeit, in der patriarchale und nationalistische Tendenzen wieder erstarken und sich auch im Privaten widerspiegeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2024

Nachdrücklich empfiehlt Rezensent Joseph Hanimann Claudia Marquardts und Amelie Thomas Neuübersetzung von Simone de Beauvoirs Roman "Die Mandarins von Paris", dessen Revision längst überfällig war, wie der Kritiker meint. Zum einen ist er dankbar, dass aus den "nègres" im Cabaret Chicagos hier korrekt "Schwarze" wurden, auch der von den Übersetzern Ruth Ücker-Lutz und Fritz Monfort einst genutzte Begriff "Sexus" wurde nun für "Penis" bzw. "Vagina" ersetzt, freut sich der Rezensent. Von der gleichermaßen "frischen wie behutsamen" Neu-Übersetzung abgesehen lohnt die erneute Lektüre aber laut Hanimann auch deshalb, weil er hier einst übersehene Aspekte ausmacht: So erkennt er hier mit heutigem Blick mehr denn je den im Laufe der Desillusionierung nach Kriegsende einsetzenden Niedergang der Intellektuellenmoral sowie die Erkenntnis über den "Selbstbetrug einer Utopie". Dass auch der Geist in Form "einer intellektuell sich verselbständigenden Kraf diktatorisch" wirken kann, wird in dieser Neuübersetzung erst wirklich deutlich, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2024

Mehr als sechzig Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung erscheint Simone de Beauvoirs preisgekrönter Roman in einer Neuübersetzung, doch diese "sprachliche Frischzellenkur" kann Rezensentin Ursula März nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Faszinierende des Roman eher von den autobiografisch-historischen Entstehungsbedingungen herrührt als vom literarischen Gehalt, auch wenn die Literaturwissenschaftlerin Nicole Seifert im Nachwort anderes beteuert. Die Geschichte orientiere sich am Philosophen Robert Dubreuilh und der Psychologin Anne Dubreuilh sowie dem Publizisten Henri Perron, die Sartre, Beauvoir und Camus ähneln und ähnliche Zerwürfnisse durchmachen wie die drei Intellektuellen zu ihrer Zeit. Diese Bindung an das Reale ist für März gerade deshalb wichtig, weil sie die vielen Dialoge des Romans füttert, die auf über 1000 Seiten aber doch ziemlich langatmig werden. Ein Buch, das für sie eher historische als literarische Bedeutung hat.

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