Klappentext

In den unendlichen Weiten des Weltraums existiert ein Sonnensystem, in dem endzeitlicher Frieden herrscht. Seine sechs Planeten und zwei Monde werden von einer weisen Computervernunft regiert, die auf Grundlage von perfekter Statistik und totalem Wohlstand die fairsten Entscheidungen trifft. Menschen haben sich zu Kollektiven zusammengeschlossen, zu ästhetischen Gemeinschaften, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Marten Eliot und Emma Glendale, die beiden jungen Spitzenfellows des Dolfin-Kollektivs, verlassen ihren heimischen Campus und reisen von Planet zu Planet, um neue Mitglieder anzuwerben. Doch das Sonnensystem wird erschüttert, als das aggressive Kollektiv der gebrochenen Herzen von sich reden macht, von dem man annimmt, es bestehe aus emotionalen Verlierern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2015

Die letzten Jahre haben wieder einige großartige Science-Fiction-Bücher hervorgebracht, weiß Judith von Sternburg, Leif Randts "Planet Magnon" ist ein weiteres, verspricht die Rezensentin. Im Jahr Achtundvierzig der neuen Zeitrechnung organisiert der Computer Actualsanity das menschliche Zusammenleben im neuen Sonnensystem, das ganz ohne nationale, ethnische, finanzielle oder religiöse Unterschiede funktioniert, fasst von Sternburg zusammen, die beeindruckt ist, "wie klug und wie zu ende gedacht diese Geschichte ist". Es gibt zwar Kollektive, die ihre jeweils eigenen Vorlieben leben, allerdings scheint weder der Ein- noch der Austritt sonderlich schwierig zu sein, so die Rezensentin, und sogar die Giftanschläge, die ein Kollektiv verübt, werden gelassen gesehen. Überhaupt ist die Gelassenheit das wesentliche Merkmal dieser Zukunft, verrät von Sternburg, die sich allerdings nicht über mangelnde Dramatik beklagt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2015

Rezensent Philipp Theisohn hat sich von Leif Randt auf den "Planeten Magnon" mitnehmen lassen und ist dort nicht nur dem Dolfin-Kollektiv begegnet, das dank unterkühlter technischer Perfektion der Selbstsorge alle Konflikte zwischen Menschen auszulöschen versucht, sondern hat sich mit den Romanfiguren auch auf die Suche nach dem Preis, der dafür zu zahlen ist, etwa Verwundungen, unrettbare Beziehungen, unkontrollierte Gefühle und Erinnerungen an Vergangenes begeben. Vor allem aber hat sich Theisohn die Mühe gemacht, zahlreiche Verweise in diesem Buch aufzudecken: So erscheint ihm dieser Thesenroman nicht nur als Ausführung der wissenssoziologischen Fantasie Bruno Latours, sondern der Kritiker zählt auch einige Versatzstücke, etwa "Starship-Troopers" oder "Jurassic Park", aus denen Randts Galaxie zusammengesetzt scheint. Das gerät allerdings nicht zum Nachteil des Buches, meint der Rezensent, den dieses "literarische Halluzinogen" zum Nachdenken angeregt hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2015

Mangelnde Erfindungsgabe kann Ulrich Baron "Planet Magnon" nicht vorwerfen, wohl aber mangelnde "erzählerische Entfaltung", die ihm die die imaginären Welten narrativ und beschreibend erschließen würde. Daran ändert für den Rezensenten auch das Glossar nichts, das Leif Randt dem Buch angehängt hat. Darüberhinaus stören Baron physikalische Unmöglichkeiten, etwa, dass die Anziehungskraft auf den beschriebenen Planeten mangels Masse für die dort geschilderten Geschnisse nicht ausreichen würde. Aber wenn Randt sich nicht für die Physik seiner Welt interessiert, warum erwähnt er dann kilometergenau die Größen seiner Planeten, wundert sich der Rezensent, der sich letztlich weder für die Handlung, noch für ihre Erzählweise oder die Welt, in der sie spielt, sonderlich erwärmen kann. "Masken verbergen hier nichts, sondern ersetzen, was nicht dahinter ist", lautet sein einigermaßen vernichtendes Resümee.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2015

Mit "Planet Magnon" ist Leif Randts zweiter Roman erschienen, und Rezensentin Lena Bopp zeigt sich begeistert. Wenn auch nicht von der utopischen Welt, die der Autor hier entwirft, denn jene ist von Mitgefühl und Begeisterung befreit und stattdessen von Sachlichkeit und rationaler Durchdringung geprägt, berichtet die Kritikerin. Zugleich entdeckt Bopp in dieser auf verschiedenen Planeten spielenden Science-Fiction-Erzählung, die den Konflikt zwischen den "postpragmatischen" Dolfins und den Hanks, die in ihrer Ideologie zumindest Sympathie und Erkenntnis zulassen, durchaus vertraute Mechanismen - etwa den scheinbar freiwilligen Verzicht auf die eigene Freiheit. Insbesondere aber lobt die Rezensentin die brillante Konstruktion und die tiefgründige Komik dieses lesenswerten Romans.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2015

Große Literatur!, freut sich Doris Akrap über Leif Randts neuen Roman. Das Große daran ist für Akrap die Zurückhaltung des Autors beim Spielen mit dem Utopischen beziehungsweise Dystopischen. Dass bei Randt kein schriller Peng zu erwarten ist, verbucht die Rezensentin als Plus und genießt stattdessen die minimalistische Schönheit und sprachliche Komik des Textes. Akraps Erkenntnis nach der Lektüre: Die Zukunft ist auch nicht aufregender als das Jetzt, auch wenn Randt so etwas wie eine klassenlose Planetengemeinschaft des totalen Friedens entwirft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.03.2015

Burkhard Müller findet es schade, dass Leif Randt seinen neuen Roman "Planet Magnon" zwar in einem fernen Sonnensystem ansiedelt, dort aber nicht mehr als einen "Begriffserfindungskrampf" zustande bringt, der Fantasie heuchele, aber wenig Neues oder auch nur Anderes darstelle als den vertrauten Kosmos amerikanischer Studentenverbindungen in Verbindung mit dem klassischen Science-Fiction-Gemeinplatz vom gesellschaftlich verordneten Glück, gegen das die Protagonisten reichlich zahm angehen, kritisiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.02.2015

Richard Kämmerlings vernimmt einen neuen Ton in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bei Leif Randt scheint ihm sich dieser postapokalyptische Ton sogar noch eine Spur konsequenter als bisher gegen den literarischen Pragmatismus zu wenden. Wenn Randt den Leser in seinem Buch mit in ein fremdes Universum nimmt, fühlt sich Kämmerlings dazu angehalten, Vergleiche zu unserer Gegenwart anzustellen. Es geht um Big Data, Eliten, Kollektive, Kontrolle und natürlich eine Wunderdroge in Randts schöner neuer Himmelswelt, verrät Kämmerlings. Dennoch handelt es sich laut Rezensent nicht um Science-Fiction, sondern um Ausblicke in eine andere Dimension unserer Wirklichkeit. Kämmerlings erkennt hier den Unterschied zu den Geschichtsromanen der Generation 40+. Indem Randt die inneren Konflikte und Bewusstseinszustände seiner Figuren in Narration verwandelt, verweigert er sich laut Kämmerlings der Indienstnahme von Historie für Identitäten oder Fluchten.
Stichwörter