Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und Helmut Dierlamm. Mit zahlreichen Abbildungen. Als im Revolutionsjahr 1989 in Berlin die Mauer fiel und in Peking auf dem Tiananmen-Platz die Proteste blutig niedergeschlagen wurden, veränderte sich die Welt dramatisch. Der Kalte Krieg war zu Ende, eine neue Weltordnung entstand. Auf Basis unzähliger unbekannter Quellen und dicht an den handelnden Personen schreibt Kristina Spohr eine neue große Geschichte dieser doppelten Wendezeit. Ihre wegweisende Studie zeigt, wie es gelang, den Übergang in eine neue Epoche so friedlich zu gestalten und wie die Richtungsentscheidungen der Jahre von 1989 bis 1992 unsere Welt bis heute formen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2020
Rezensent Steffen Martus hat nur wenig auszusetzen an diesem, wie er findet, brillant erzählten Buch der Historikerin Kristina Spohr. Die politischen Ereignisse der Jahre 1989 bis 1992 legt die Autorin mit besonderem Blick auf das globalpolitische Führungspersonal kleinschrittig dar und gewährt so einen Einblick in den "Mikrokosmos der Empfindlichkeiten", Zu- und Abneigungen, lobt der Kritiker. Wie sehr sich die Akteure - Bush, Thatcher, Gorbatschow, Kohl - um einen Platz in der Geschichte bemühten, Weltpolitik von persönlichen Befindlichkeiten und Beziehungen abhängig war, lernt der Rezensent in zahlreichen "Momentaufnahmen". Zudem gehe Spohr nicht nur auf die Rolle der Medien ein, sondern hebe auch die Bedeutung Chinas hervor. Ein wenig mehr Analyse und "methodische Reflexion" über die Bedeutung damaliger Entscheidungen für die Gegenwart hätte sich Martus zwar schon gewünscht. Allein zu lesen, wie Merkel den Abend des Mauerfalls mit Freundinnen in der Sauna verbrachte und danach darüber nachdachte, was das nun für sie persönlich zu bedeuten habe oder wie Trump bei einem New-York-Besuch Gorbatschows einem Double aufsaß, lohnt die Leküre, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2019
Der hier rezensierende Historiker Eckart Conze ist nicht ganz überzeugt von diesem Buch, in dem seine Kollegin Kristina Spohr die Wendejahre beleuchtet und heutige Probleme aus damaligen Entscheidungen erklären will. Zum einen stört er sich an Spohrs Konzentration auf die Politik großer Männer und Frauen (Bush, Gorbatschow, Mitterand, Thatcher, Kohl), was ihm als Herangehensweise etwas antiquiert erscheint, aber auch zu affirmativ. Zum anderen fragt er sich, was denn in Spohrs Sicht die heutigen Probleme seien, für die damals die Grundlage gelegt wurden: Unilateralismus? Anti-Liberalismus? Nationalismen? Oder die Aushöhlung der Institutionen? Schließlich vermisst er überhaupt interessante Deutungen zu den Verschiebungen im globalen Mächteverhältnis, zum Aufstieg Chinas etwa oder zum desavouierten Dominanzanspruch der USA.
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