Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.09.2000
Schwierigkeiten mit einer Verortung hat Martin Scherer mit dem 4. Band der Dahlemer Vorlesungen des Philosophen Klaus Heinrich. Dabei würdigt Scherer die Aktualität von Heinrichs Denken. Anstatt sich einer bestimmten Methode oder Tradition zu verschreiben, wolle Heinrich Mündigkeit lehren, mit seinen Beiträgen Fragen und Einwände provozieren, Berichtigung und Selbstkritik eingeschlossen. Doch verursacht Heinrichs Ansatz, Philosophie als Religionskritik zu betreiben, bei Scherer Widersprüche. Denn wenn die Philosophie stets den religiösen Glauben klein geredet hat, um sich selbst zur Bewältigung des Schicksals an dessen Stelle zu setzen, so führe gerade der religionskritische Ansatz zurück zu ganz bestimmten "Uraltnöten" - nämlich zur Suche nach dem Bündnis gegen das Schicksal. Und damit wieder hin zur Religion. Scherer sieht hier einen "normativen Begriff des unwahren Lebens" und verweist sodann auf einen ähnlich schwer verständlichen Philosophen, Theodor W. Adorno, der solche Betrachtungen eine "Dialektik ohne Erde" genannt hätte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2000
Als "originell" preist Ralf Konersmann dieses Buch, das aus Mitschriften der frei gehaltenen religionsphilosophischen Vorlesungen 1972 an der Freien Universität Berlin entstanden ist, die mit Kommentaren und Erläuterungen ergänzt worden sind. Zwar greife die These Heinrichs, dass Philosophie Religionskritik sei, "ein wenig kurz", doch nehme seine "Nachdenklichkeit" der alles Rechthaberische fern sei, für ihn ein, so der Rezensent lobend. Als Redner sei Heinrich "unübertroffen" und seine Betrachtungen klug und jederzeit inspirierend", schwärmt Konersmann, und er lobt besonders die Fähigkeit Heinrichs, historische Theorien "unversehens zu aktualisieren".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2000
Uwe Justus Wenzel nutzt die hier vorgelegten Mitschriften von Vorlesungen des "Religionswissenschaftlers", um klar und eindringlich das Denken Klaus Heinrichs zu profilieren. Versteht man den Rezensenten richtig, so erscheint das Verhältnis von Philosophie und Religion bei Heinrich als eine Konkurrenz, die letztlich zugunsten der Religion zu entscheiden sei. Hier spiele der Begriff des "Bundes" oder "Bündnisses" eine besondere rolle, den Heinrich aus der Lektüre der Bibel im Hebräischen gewinne. In Wenzels Kritik erscheint es so, als ziehe Heinrich das "Fürchtet euch nicht" der Religion dem Stoizismus einer Philosophie vor, die meint sich von der Religion zu emanzipieren und sie stattdessen nur verdrängt. Abschließend fragt sich Wenzel nur, warum Heintich sich nicht traut, seine "Religionswissenschaft" beim Namen zu nennen, und der wäre schlicht und einfach "Theologie".
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