An Jan Süselbecks Studie werden erstmals viele Übereinstimmungen in der geistigen Haltung Thomas Bernhards und Arno Schmidts unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Gesamtwerks vorgestellt. Nicht nur in typischen Idiosynkrasien wie ihrem demonstrativen Haß auf Kirche und Staat, Österreich und die Deutschen und in ihren Verweigerungshaltungen gegenüber jedem gesellschaftlichen Engagement gleichen sich beide Autoren und ihre literarischen Protagonisten auf geradezu verblüffende Weise.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2007
Beinahe überrascht zeigt sich der Rezensent Roman Luckscheiter davon, dass das Konzept von Jan Süselbecks Dissertation durchaus aufgeht. Auf den ersten Blick nämlich scheinen ihm Arno Schmidt und Thomas Bernhard - über die heftige Ablehnung des Landes, in dem sie lebten, hinaus - wenig gemeinsam zu haben. Die "Parallellektüre" offenbart dann aber doch manche Übereinstimmung - wenngleich nicht nur im Guten. So teilten die beiden einander persönlich und wohl überhaupt unbekannten Autoren zum Beispiel elitäre, misanthropisch fundierte "Ressentiments" gegenüber Demokratie und Mitmenschen. Allzu simpel findet Süselbeck auch die expliziten Auseinandersetzungen Schmidts und Bernhards mit dem Nationalsozialismus. Freilich eröffne sich in der auf die "anwesende Abwesenheit" der Shoah konzentrierten Lektüre von Schmidts Erzählungsband "Kühe in Halbtrauer" eine "Landschaft lexikalischer Volltrauer". Die Frage, was von den so lesbar gemachten Trauer-Texturen sich auch wirklich der Intention des Autors verdankt, lässt Süselbeck zum Bedauern des Rezensenten freilich offen.
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