Klaus Theweleit

Der Knall

11. September, das Verschwinden der Realität und ein Kriegsmodell
Cover: Der Knall
Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783878778707
Broschiert, 280 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Zu den Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan u.a.: Ein Kriegsmodell. Und zur Frage "Was ist Realität?", entwickelt an Kommentaren zum World Trade Center-Crash (Seeßlen, Röggla, Bronfen, Baudrillard, Stockhausen, Sontag, Kluge, Groys, Luhmann, Diedrichsen, Gumbrecht, Zizek, Sloterdijk).

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2002

In seinem Essay "Der Knall" geht Klaus Theweleit der Frage nach, wie wir am 11. September 2001 die Realität verloren haben, berichtet Rezensent Fritz Göttler. Wie Göttler ausführt, nimmt Theweleit dazu eine ganze Reihe von Texten unter die Lupe, die in den Tagen danach entstanden sind - Texte von Susan Sontag, Peter Sloterdijk, Elisabeth Bronfen, Slavo Zizek, Georg Seeßlen, Alexander Kluge, Baudrillard und anderen - und untersucht ihre Argumente. "Man hat nicht wirklich etwas zu sagen gehabt damals", resümiert Göttler das Ergebnis von Theweleits Untersuchung, "aber noch unerträglicher war das Schweigen." Es sei dieser therapeutische Effekt, den Theweleit gelten lasse, wenn er bestürzt die Geschwätzigkeit der Texte feststelle und zu dem Schluss komme, dass die Konzepte von Realität und Imagination zu leichtfertig waren. Göttler hebt hervor, dass es Theweleit gelingt, dem "vielstrapazierten Begriff" der Betroffenheit eine neue Dichte zu verleihen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2002

Etwas zwiespältig findet Stefan Reinecke diesen "Rezensionsessay" von Klaus Theweleit. Der Autor untersucht darin, was andere Intellektuelle zum 11. September geschrieben haben - und kritisiert die Kritiker, berichtet Reinecke. Für den Rezensenten erweist sich Theweleit dabei als der "(Meta-)Kritiker schlechthin". Am Ende stellt sich für ihn die Frage, "was er in einem erneuten Diskursrundgang dann über 'Der Knall' geschrieben hätte". Zwar weist der Autor laut Reinecke den Verdacht, als Oberkritiker aufzutreten, zu gewichten und kategorisieren, weit von sich. Doch genau das tut er, hält ihm Reinecke vor, "mal scharfsinnig, mal schlecht gelaunt". Ärgerlich wird das für Reinecke immer dann, wenn Theweleit mit Verachtung auf das "Diskursgetümmel" des Kulturbetriebs herabblickt. Trotzdem lohnt sich nach Ansicht der Rezensent die Lektüre. Gegen die postmoderne Rhetorik etwa eines Baudrillard, eines Zizek und eines Boris Groys plädiere Theweleit für ein Zurück zur Politik. Entstanden ist ein "merkwürdiges Buch", resümiert Reinecke: Über weite Strecken "klug und scharfsichtig" geschrieben, könne es "mit seinem besserwisserischen Ton auch ganz schön nerven".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2002

Klaus Theweleit hat nicht nur ein in vieler Hinsicht wertvolles Buch geschrieben, meint Dietmar Dath, er ist dem Autor auch dankbar, vermieden zu haben, angesichts des 11. September in schrille Panikmache a la Oriana Fallaci oder die Konstruktion allzu einfacher Weltbilder a la Negri/Hardt zu verfallen. Die neue "Methode Klaus Theweleit" besteht laut Dath darin, den Verlust der vormals ideologisch unterfütterten Deutungshoheit hinzunehmen und sich bei anderen "Realitätsverlierern" umzuschauen, "ob man mit ihnen noch reden kann, in Anerkennung der gemeinsamen Notlage". Dazu liest Theweleit Texte von "Weltendeutern" wie Peter Sloterdjik, Diedrich Diederichsen oder Slavoij Zizek und liefert "treffende Schattenrisse" dieser "Intellektuellen in Aktion". Besonders angetan ist der Rezensent vom "zärtlich-entsetzten Porträt des slowenischen Lacanisten und Quasselkaisers Zizek", eine der "ergreifendsten Schilderungen" des "Elends der Rechthaberei, die man je hat lesen dürfen". Und für den gelungenen Versuch, in einem kompakten Essay "auf sage und schreibe nicht mehr als drei knappen Seiten" ein möglichst gerechtes Bild der Lage im Nahen Osten zu skizzieren, dafür gebührt dem Autor die uneingeschränkte Bewunderung des Rezensenten.
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