Adenauers Staatssekretär Hans Globke, der BND und der Eichmann-Prozess
Ch. Links Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783962892555 Gebunden, 672 Seiten, 50,00
EUR
Klappentext
Konrad Adenauer sah im Eichmann-Prozess eine Bedrohung für das Ansehen der Bundesrepublik, wo viele Funktionseliten des NS-Staats wieder Einfluss gewonnen hatten. Kanzleramtschef Hans Globke, der im Kernbereich der rassistischen Agenda aktiv gewesen war und sich nach 1945 zum heimlichen Widerstandskämpfer stilisierte, musste mögliche Enthüllungen am meisten fürchten. Also ließ er das Büro der Verteidigung vom BND unterwandern, der dann minuziös über die Verfassung des Judenmörders und die Strategie seines Anwalts berichtete, ja sie sogar beeinflusste. Der Autor zieht das Panorama einer Vergangenheit auf, der keineswegs mit "Verdrängung", sondern mit aktiver Abwehr begegnet wurde.
Ein wichtiges Buch über Erinnerungspolitik hat Klaus-Dietmar Henke Rezensent Vincent Bruckmann-Levinson zufolge verfasst. Der Historiker Henke zeichnet auf der Grundlage von frisch freigegebenen BND-Akten nach, wie Konrad Adenauers Kanzleramtschef Hans Globke sowie der Bundesnachrichtendienst Einfluss auf den Eichmann-Prozess in Jerusalem 1961 nahmen, um zu verhindern, dass Globke selbst und andere Altnazis, die in der BRD politische Karriere gemacht hatten, in die Schusslinie kommen. Zu diesem Zweck platzierte der Dienst einen Agenten im Team der Eichmann-Verteidigung: Der Jurist Dieter Wechtenbruch gerierte sich in der Öffentlichkeit zwar als Adenauer-Kritiker, tatsächlich beeinflusste er das Verteidigerteam dahingehend, "keine Debatten über Täterschaft anderer zuzulassen". Das ist, findet Bruckmann-Levinson, eine äußerst brisante Episode. Henkes Vorschlag, angesichts solcher Vorkommnisse nicht von einer "Verdrängung", sondern von einer "Abwehr" der Vergangenheit zu sprechen und damit das aktive Moment zu betonen, findet der Rezensent sinnvoll - gerade auch mit Blick auf aktuelle erinnerungspolitische Interventionen von rechts außen.
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