Jürgen Osterhammel

Die Verwandlung der Welt

Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts
Cover: Die Verwandlung der Welt
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406582837
Gebunden, 1568 Seiten, 49,90 EUR

Klappentext

In dieser Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts erzählt Jürgen Osterhammel die Geschichte einer Welt im Umbruch. Osterhammel fragt nach Strukturen und Mustern, markiert Zäsuren und Kontinuitäten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Seine kulturübergreifenden, thematisch aufgefächerten Darstellungen und Analysen verbinden sich dabei zu einem Geschichtspanorama, das nicht nur traditionelle eurozentrische Ansätze weit hinter sich lässt, sondern auch erheblich mehr bietet als die gängigen historiografischen Paradigmen wie Industrialisierung oder Kolonialismus. Die Herausbildung unterschiedlicher Wissensgesellschaften, das Verhältnis Mensch-Natur oder der Umgang mit Krankheit und Andersartigkeit kommen darin ebenso zur Sprache wie Besonderheiten der Urbanisierung, verschiedene Formen von Bürgerlichkeit oder die Gegensätze von Migration und Seßhaftigkeit, Anpassung und Revolte, Säkularisierung und Religiosität.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2009

Den Autor hat sich Andreas Fahrmair wohl als alten, weisen Gelehrten vorgestellt. Derart vollgepackt mit Wissen erscheint ihm der Band, derart epochemachend auf dem Gebiet der Weltgeschichtsschreibung, dass er es kaum glauben kann: Jürgen Osterhammel legt gerade erst los. Und wie! Fahrmair nennt die Hauptthemen, das Reisen etwa, die Archivierungsleidenschaft des 19. Jahrhunderts, und erklärt, dass es Osterhammel nicht um teleologische Erzählungen, etwa von Nationalisierung und Modernisierung zu tun ist. Stattdessen lernt Fahrmair viel über globale Veränderungen, Parallelen und Unterschiede und sieht ein ganzes Panorama verschiedener Lebenswelten (afrikanischer, amerikanischer, asiatischer vor allem) vor sich ausgebreitet. Wie sich die vom Autor gewählten Beispiele, "pointilistischen Beobachtungen" und Kernthemen unter seiner analytischen Hand schließlich zum großen Ganzen fügen, findet Fahrmair ganz erstaunlich. Dass es unterwegs nicht öde wird, wie Fahrmair versichert, sondern spannend bleibt und gut verständlich setzt dem Band die Krone auf.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2009

Als brillant entworfen und als Meisterwerk feiert Rezensent Detlev Claussen dieses Porträt des 19. Jahrhunderts, das der Historiker Jürgen Osterhammel mit seinem epochalen und voluminösen Band vorgelegt hat. Wer das Buch erwerbe, so Claussen, der werde mit einer aufgearbeiteten Bibliothek der Weltgeschichte belohnt, die keine Leserwünsche offen lässt, außer vielleicht den nach einem zweiten Lesebändchen. Durch "synthetische und analytische Praxis" versetze Osterhammel dem noch fortwirkenden "Eurozentrismus, den entscheidenden intellektuellen Stoß", indem er "systematisch den Perspektivwechsel einübt", der Amerika und Afrika ins Blickfeld rückt und aus dem auch die Geschichte Europas verstanden werden muss. Von daher sei Weltgeschichte das Gebot der Stunde, um die veränderte Welt auch begreifen zu können, so der restlos begeisterte Detlev Claussen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2009

Eine differenzierende Universalgeschichte ist also möglich! Auf über tausendfünfhundert Seiten und in achtzehn Kapiteln, staunt Urs Hafner, hat der in Konstanz lehrende Historiker Jürgen Osterhammel eine Weltgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts zusammengestellt. Beschränken lassen auf dieses Zeitalter will sich der Autor aber scheinbar nicht, erfahren wir, denn ausgeholt wird mitunter vom achtzehnten bis ins zwanzigste Jahrhundert. Das findet Hafner aber durchaus in Ordnung, schließlich werfen die eigentlich angepeilten hundert Jahre ihre Schatten bis in die globalisierte Gegenwart, wie der Rezensent bei der Lektüre erkannt hat. Auch wenn der zeitliche Rahmen weit gesteckt ist, bleibt der Autor geografisch meist dem europäischen Kontinent verhaftet, von hier aus wird aber in "vergleichender Absicht" ein Blick auf andere Erdteile geworfen. Und somit in Verbindung gesetzt, ohne Unterschiede zu verwischen, freut sich der Rezensent. Auch den erzählerischen Spannungsbogen findet Hafner gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2009

Jürgen Osterhammels Gobalgeschichte des 19. Jahrhunderts ist für Thomas Meyer selbst ein epochales Ereignis. Gegenüber älteren historischen Behandlungen des 19. Jahrhunderts, etwa von Thomas Nipperdey und Hans-Ulrich Wehler, schlage Osterhammel ein ganz neues Blatt auf, staunt der Rezensent. Auf den über 1500 Seiten des Werkes wisse Osterhammel immer wieder gekonnt zwischen dem Blick aufs Detail und dem großen panoramischen Aufriss zu wechseln und so das 19. Jahrhundert als Ganzes zu fassen zu kriegen und dabei doch eingehend seine prägenden kulturellen und ideengeschichtlichen Einflüsse zu analysieren. Wohltuend abgeklärt wirkt diese Geschichte des 19. Jahrhunderts auf den Rezensenten, auch wenn sie durchaus Freude an der eigenen Meinung habe. Thomas Meyer sieht Osterhammel sowohl in der Darstellung wie auch in der Durchdringung seines Gegenstandes schlicht auf "einem neuen Niveau" agieren. Für Thomas Meyer steht fest, dass dieses "Opus Magnum die Geschichtsschreibung verändern" wird. So klingen Hymnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009

Jürgen Osterhammels opulente Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts hat den Rezensenten (bei dem es sich offenbar um Stephan Speicher handelt) überaus beeindruckt. Er würdigt den Autor, Professor für Neuere und neueste Geschichte, als einen der "besten Leute seines Fachs". Mit Respekt spricht er vom gewaltigen Literaturstudium, das hinter dieser Arbeit steht. Besonders hebt er hervor, wie der Autor sein Thema angeht, nämlich nicht chronologisch oder geografisch. Osterhammel wähle als Überschriften vielmehr Begriffe, wie "Staat", "Netze", "Hierarchien", die es erlaubten, die "Materialmasse" neu zu ordnen. Speicher verdeutlicht dies am Beispiel der Rubrik "Frontier", unter der der Autor die Landnahme und Ressourcenerschließung in den USA höchst aufschlussreich beschreibt und dann mit der in Südamerika und Russland vergleicht. Er sieht bei Osterhammel eine Tendenz zur "methodisch differenzierten Vielfalt", die ihm zwar "reflexionsstark", aber andererseits auch "thesenarm" erscheint. Ausführlich erörtert Speicher Stärken und Schwächen von Osterhammels Darstellungsprinzip am Beispiel Chinas. Ein wenig bedauerlich findet er, dass Osterhammel die Philosophie und die Künste außen vor lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.02.2009

Bestnoten vergibt der hier rezensierende Historiker Jürgen Kocka an diese ”Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts”, die er als ”mosaikartiges Epochenporträt” in achtzehn Kapiteln beschreibt, in denen sein Konstanzer Kollege Jürgen Osterhammel sehr selbstständig gewichtete, symptomatische Themen der Zeit zu einer hochkomplexen Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts verdichtet habe. Kocka beeindruckt hier besonders, wie Osterhammel begriffliche Schärfe und Respekt für Vielfalt, idealtypische Systematisierung und ausholende Differenzierung in seinen Betrachtungen ”zusammenzwingt” . Diese universalgeschichtliche Herangehensweise, Osterhammels geradezu menschheitsgeschichtlicher Blick, erinnert den Rezensenten mitunter an Max Weber. Allerdings bescheinigt der Rezensent Osterhammel deutlich mehr ”Sinn für das Bunte und Kontingente”, mehr Spaß am ”Spiel mit Assoziationen und Analogien”. Manchmal ufert das, wie der Rezensent findet, aus, führt zum Verschwimmen der Konturen. Doch das stupende Wissen des Autors lässt den Rezensenten ebenso staunen wie die Souveränität, mit der Osterhammel dieses Wissen zu seinem Epochenporträt verdichtet.
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