Akira Iriye (Hg.), Jürgen Osterhammel (Hg.), Emily S. Rosenberg (Hg.)

Geschichte der Welt

Band 5: Weltmärkte und Weltkriege 1870-1945
Cover: Geschichte der Welt
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406641053
Gebunden, 1152 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Charles S. Maier, Tony Ballantyne, Antoinette Burton, Dirk Hoerder, Steven C. Topik, Allen Wells und Emily S. Rosenberg. Aus dem Englischen von Thomas Atzert, Thorsten Schmidt, Andreas Wirthensohn und Annabel Zettel. Zwischen 1870 und 1945 wurde die Welt durch die rasanten Fortschritte in Kommunikation und Transportwesen größer und kleiner zugleich. Neue Technologien verkürzen Entfernungen und beschleunigen den Austausch von Menschen, Produkten und Ideen. Der Band behandelt ein Zeitalter, in dem die wachsende globale Vernetzung nicht nur neue Ambitionen weckte, sondern auch Ängste und Rivalitäten, die sich schließlich in zwei Weltkriegen entluden - den zerstörerischsten Konflikten in der Geschichte der Menschheit.
Jeder Beitrag des Bandes erörtert ein zentrales Thema: die Entstehung des modernen Staates und die Entwicklung der internationalen Beziehungen; imperiale Begegnungen und Konfrontationen; Bevölkerung und Migration; Weltmärkte und Hochindustrialisierung; transnationale gesellschaftliche und kulturelle Netzwerke. Mit den modernen Staatsformen und den wechselhaften Schicksalen der Imperien verstärkten sich die Anstrengungen, territoriale Grenzen abzustecken und zu kontrollieren. Doch während Menschen, Produkte, Kapital, Technologien und Loyalitäten über diese Absperrungen hinwegströmten, zerbrachen alte politische Ordnungen und mentale Selbstverständlichkeiten - in unerwarteten, oft grauenvollen und manchmal befreienden Eruptionen der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2013

Das bisschen Reklame, das die Autoren des von Emily S. Rosenberg herausgegebenen Bandes machen, indem sie sich mitunter der Begrifflichkeiten des Internets bedienen, kann Urs Hafner diesem als Teil der von Akira Iriye und Jürgen Osterhammel verantworteten sechsbändigen "Geschichte der Welt" publizierten Buch nachsehen. Ansonsten nämlich scheint ihm Globalgeschichte hier vorbildlich verstanden. Etwa, da die sonst übliche Separierung geografischer Räume überwunden, Europas Stellung im Imperialismus relativiert und die Wechselwirkung zwischen Unterdrückung und den Strategien der "Verlierer" herausgearbeitet wird. Dass sich die Autoren ferner mit Migration, Warenflüssen und Werbung, mit Weltausstellungen und internationalen Organisationen befassen und im übrigen den Blick auch auf das Kleine richten, scheint Hafner bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2013

Ganz so neu scheint das Konzept einer Weltgeschichte von den Rändern her dem Rezensenten zwar nicht, derart klar und detailreich, wie in diesem ersten (von sechs geplanten), von Akira Irye, Jürgen Osterhammel und Emily S. Rosenberg herausgegebenen Band hat Thomas Speckmann den transnationalen Blick auf das Weltgeschehen aber noch nicht genossen. Errungenschaften und Entwicklungen des Westens in größere Kontexte zu stellen, Wechsel- und Querbeziehungen aufzuzeigen, um etwa krisenhafte oder komplexe Zusammenhänge und Prozesse sichtbar zu machen, gelingt den Autoren laut Speckmann durch eine Fülle von Beobachtungen. So lernt der Rezensent, wie sich die Weltkriege in kolonialen Gewaltorgien vorbereiteten und wie kontingent zeitliche Zuschreibungen und Periodisierungen in der historischen Zunft sind. Eine Geschichte der Welt erscheint dem Rezensenten auf die Art tatsächlich möglich.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.12.2012

Sehr eingehend bespricht Detlev Claussen diesen Band, zutiefst beeindruckt von der stupenden Gelehrsamkeit mancher der Abschnitte, die von verschiedenen Autoren verfasst wurde - aber immer den besten ihres Fachs, so Claussen. Aber er hat auch Einwände: Die Epochengliederung von 1870 bis 1945 will ihm nicht ganz paasssen, lieber wäre er wohl bei Erichobsbawms langem 19. Jahrhundert (ab 1789) und kurzem 20. Jahrhundert (ab 1914) geblieben. Das heißt nicht, dass sich Claussen nicht höchst angeregt in der Materialfülle des Bandes bewegt: etwa Dirk Hoerders Kapital über "Migrationen und Zugehörigkeiten": ein "Tsunami historischer Gelehrsamkeit" sei das. Am Ende aber fühlt sich Claussen, auch wohl wegen zu großer Scheu vor Theoriebildung, ein wenig überfüttert mit dieser "gewaltigen Weltgeschichte".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Als wahren "Meilenstein" bezeichnet Rezensent Dirk van Laak diese sechsbändige "Geschichte der Welt". Denn im Gegensatz zur Masse der wenig lehrreichen "Pocketsize-History"-Erscheinungen der letzten Jahre gelinge es den Herausgebern und Globalhistorikern Akira Iriye von der Universität Harvard und Jürgen Osterhammel aus Konstanz, hier die herausragendsten Historiker unserer Zeit zu versammeln, die weniger chronologisch, sondern vielmehr aus einer "globalen Perspektive" die materielle und ideelle Wandlung der Welt beleuchten. Und so liest der Kritiker in diesem nun erschienenen Band 5, der von Emily S. Rosenberg unter dem Titel "Weltmärkte und Weltkriege 1870 - 1945" herausgegeben wurde, zahlreiche brillante und anspruchsvolle Essays, die zwar nicht immer leicht zugänglich sind, dafür aber auf jeder Seite historischen Erkenntnisgewinn garantieren, verspricht der Rezensent. Während er etwa in dem literarisch gewandten und aufschlussreichen Aufsatz Charles S. Maiers erfährt, wie es dazu kam, dass die gesamte Welt peu a peu der Idee eines zentralisierenden Nationalstaats unterworfen wurde, lernt er bei Dirk Hoerder, dass sich die Migrationsgeschichte Europas durchaus mit derjenigen Afrikas, Ostasiens oder der USA vergleichen lasse. Diesen Band der "Geschichte der Welt" sollte man sich unbedingt anschaffen, rät der Rezensent, nicht zuletzt, weil der Aufbau des Werkes es ermögliche, sich je nach Interesse eine Perspektive auf die Epoche auszusuchen.