Klappentext

Charles de Gaulle hat der Geschichte Frankreichs stärker den Stempel aufgedrückt als jeder andere. Der Mann, der kompromisslos vom Londoner Exil aus das "Freie Frankreich" behauptete, seinem Land 1958 eine neue Verfassung gab und die Kolonien in die Unabhängigkeit entließ, hielt zugleich eisern an überlebten Ideen von "grandeur" fest, die Frankreichs Blick auf die Wirklichkeit verzerren. Johannes Willms zeigt in seiner Biografie Größe und Grenzen des Generals, der laut Umfragen 70 Prozent seiner Landsleute als größter Franzose aller Zeiten gilt.
Im Sommer 1940 liegt Frankreich am Boden. Hitlers Armeen haben das Land überrannt, die Mehrheit der Franzosen arrangiert sich mit der Besatzungsmacht und dem Vichy-Regime unter Marschall Pétain. Doch in seinem Londoner Exil arbeitet ein Mann völlig unbeeindruckt für die Auferstehung Frankreichs, der so gut wie nichts vorzuweisen hat: kein Land, kein Geld und keine Truppen. Charles de Gaulle wird der "Retter" Frankreichs werden - und der Schöpfer eines Mythos, den die meisten Franzosen bis heute für die historische Wahrheit halten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2019

Jean-Marie Magro findet in Johannes Willms' Biografie viele wichtige und lehrreiche Kapitel aus dem Leben von General Charles de Gaulle: Die Größe, die Chuzpe, die Idee von Frankreich, alles ist drin. Auch dass de Gaulle wenig von Parteien, dem Parlament oder politischen Bewegungen hielt, solange sie nicht seine eigenen waren, sieht der Rezensent von Willms souverän dargestellt. Aber er macht auch eine Schwäche des Buches aus. De Gaulle, betont Magro, war nicht nur gefürchtet und bewundert, er war bei aller Selbstherrlichkeit auch ein nahbarer Politiker und den Menschen ehrlich verbunden. Irrig findet der Rezensent auch, dass Willms das Verhältnis des Generals zu Deutschland als kühl und bitter darstellt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.11.2019

Wolf Lepenies hält die Biografie über de Gaulle von Johannes Willms für beeindruckend. Dass der Autor mit seiner Bewunderung für den General nicht hinterm Berg hält, findet er in Ordnung. Wie de Gaulles hohe Selbsteinschätzung sich in einen politischen Stil und die Idee von der "Grandeur" Frankreichs verwandelte, zeigt ihm der Autor unter anderem minutiös anhand der Auseinandersetzungen zwischen de Gaulle, Churchill und Roosevelt. Die häufig spürbare feine Ironie im Ton des Autors nimmt Lepenies zur Kenntnis, ebenso Willms' Gefühl für Nuancen, wenn er de Gaulles Karriere nachzeichnet oder seinen politischen Stil charakterisiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2019

Anregend und bewegend findet Rezensent Clemens Klünemann das Buch von Johannes Willms. Dass sich der Autor mit seiner Biografie nicht im Mythos de Gaulle verheddert oder ihn zu zerstören versucht, hält er für eine besondere Leistung. Dem Leser dient der Autor laut Klünemann gerade damit, den Kern des Mythos freizulegen, de Gaulles Vorstellung von Frankreich, die er durch sich selbst personifiziert sah. Ein Revolutionär wie Napoleon blickte de Gaulle nicht zurück, wenn er erkannt hatte, dass sich die Dinge - das Kolonialreich zum Beispiel - nicht bewahren ließen. Empathisch und mit der richtigen Distanz, so der Rezensent, zeigt der Autor den Eigensinn de Gaulles, seine Selbstinszenierung, sein Kalkül, sein "inneres Drama" und seine Tragik, die, so lernt Klünemann, in der Erosion seiner Macht nach 68' bestand und in der Einsicht, dass seine Idee von der Grandeur Frankreichs sich überholt hatte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.10.2019

Für eine wahre Tragödie hält es Rezensent Wilhelm von Sternburg, dass Europa größte Staatsmänner so gestrig waren. Was hätten Charles de Gaulle und Winston Churchill nicht alles schaffen können, wenn sie nicht so an ihren veralteten Großmachtfantasien gehangen hätten! Johannes Willms zeigt dem Rezensenten mit seiner Biografie des französischen Generals, wie fatal dessen Festhalten an französischer Grandeur, an einer autoritären Staatsauffassung und an seinem patriotischen Pathos war. Besonders wichtig ist Sternburg jedoch, dass Willms am Ende das Scheitern de Gaulles zeigt, was man seinen heutigen Verehrern nicht deutlich genug mache könne. Großartig, findet der Rezensent das Buch daher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2019

Günther Nonnenmacher rät, sich nicht vom Umfang der Erzählung von Johannes Willms abschrecken zu lassen. Wie der Autor sich de Gaulle nähert, findet er elegant, das Buch leicht zu lesen. Das Bild, das dabei entsteht, ist laut Rezensent das eines skrupellosen und hochfahrenden Egomanen, der den Franzosen vermitteln konnte, sie hätten den Krieg gewonnen, so Nonnenmacher. Dass Willms in seiner Darstellung der Zeit nach Juni 1940 und de Gaulles unnachgiebiger "Diplomatie" mit den Alliierten viel Raum gibt, scheint dem Rezensenten angemessen, da diese Periode, wie er schreibt, de Gaulles Präsidenschaft prägen sollte.
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