Sie sollte aufwachsen in einem Palast in Bagdad - doch Saddam trieb ihre Familie ins Exil. Sie war fast noch ein Kind, als sie Waffenlieferungen an die Opposition im Irak organisierte - und eine junge Frau, als ihr Vater auf offener Straße von Saddams Geheimdienst erschossen wurde. Sie überlebte einen Mordanschlag und war Zeugin, wie Bewaffnete ihren Onkel entführten. Die Lebensgeschichte der Safia Taleb Al-Souhail ist ein exakter Spiegel der Wirren in Nahost. Als eine von sieben Töchtern des einflussreichen schiitischen Stammesfürsten Sheik Taleb Al-Souhail hat Safia gelernt, mit einem Leben in Angst umzugehen. So konnte die heute 38-jährige Mutter eines einjährigen Sohnes das Vermächtnis ihres Vaters übernehmen: Als eine der Top-Frauen der irakischen Oppositionsbewegung kämpft sie für den Frieden ihres zerstörten Landes und gibt den irakischen Frauen eine Stimme.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2004
Schon weil der Irak immer noch weit von Frieden und Demokratie entfernt ist und insbesondere die Frauen dort kaum je eine Stimme bekommen, hält Alexandra Senfft diese Biografie der Safia Taleb Al Souhil für ein wichtiges Buch. Die österreichische Journalistin Johanna Awad-Geissler lässt die "Scheichtochter", die seit der Ermordung ihres Vaters 1994 Anführerin ihres Stammes, der Beni Tamim, und zudem Leiterin einer Pariser Organisation zur Aufklärung der Verbrechen im Irak ist, in der Ich-Form erzählen und hat dadurch einen "sehr persönlichen" Bericht geschaffen, wenn er auch hin und wieder dem "Rand des Kitsches" gefährlich nahe kommt, meint die Rezensentin. Als "Reiz" und "Manko" zugleich beurteilt Senfft, dass es sich bei Safia nicht um eine für die Mehrzahl der Frauen im Irak repräsentative Person, sondern um eine Angehörige der irakischen Oberschicht handelt. Sie betont, dass man in diesem Buch keine "tiefschürfenden politischen Botschaften" finden wird, wenn Safia mit ihren Ansichten auch keineswegs hinter den Berg hält. Dass die "Scheichtochter" den Kriegsgrund der Amerikaner, die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddams, zwar als ärgerlich verurteilt, sich aber insgesamt wenn überhaupt nur behutsam kritisch mit den amerikanischen Aktivitäten im Irak auseinandersetzt, hält die Rezensentin für politisch motiviert, sie scheint aber für die Haltung der "entschlossenen Menschenrechtlerin" Verständnis zu haben.
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