Jon Lee Andersons Kolumne "Letter from Baghdad", die im New Yorker erscheint, gehört zum Besten, was über den Irak geschrieben wurde. Nun hat er seine Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst. "Die verwundete Stadt" schildert die jüngere Geschichte Bagdads von den letzten und surreal anmutenden Tagen des Saddam-Regimes über die verheerenden Bombenangriffe bis zum Widerstand gegen die Besetzer. Weil Anderson nicht die üblichen Reporterwege geht, entsteht ein vielschichtiges Panorama des vom Konflikt gezeichneten Zweistromlands.
Einen zwiespältigen Eindruck hat Jon Lee Andersons Buch "Die verwundete Stadt. Begegnungen in Bagdad" bei Rezensentin Renee Zucker hinterlassen. Einerseits findet sie Andersons Schilderungen des gegenwärtigen undurchschaubaren Chaos in Bagdad durchaus "beeindruckend". Andererseits tut ihr der Autor, Reporter des New Yorker, schlicht zu viel des Guten. Seine überbordende Anhäufung von Namen, Daten, Anekdoten erscheint ihr zunehmend "verwirrend". Sie betont, dass sich Anderson strikt an die Regeln der journalistischen Schule hält: "Notier alles, was du siehst oder hörst, lass nichts aus. Schreibe alle Namen richtig, habe keine Meinung, und dann lass den Leser sich darin zurechtfinden." Zu Zucker Bedauern bringt dem Leser diese Art der Informationsvermittlung nicht allzu viel, weil er sich in dem "530-Seiten-Sammelsurium" irgendwann nicht mehr zurecht findet.
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