Hunderte von Interviews mit über siebzig Personen, die Freud kannten - Patienten, Kollegen, Familienmitglieder -, unveröffentlichte Papiere aus dem Nachlass des Freud-Biographen Ernest Jones sowie genaue Kenntnisse psychoanalytischer Theorie und Praxis sind die Grundlagen dieser groß angelegten Darstellung. Paul Roazen zeichnet zunächst ein genaues Bild Sigmund Freuds, er geht den Einflüssen von Kindheit und Jugend nach, von Umgebung und Familie, er zeigt Freud, den leidenschaftlich Liebenden und den leidenschaftlich Hassenden, als Arzt und Forscher: das Genie und den Wiener Bürger des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.07.2006
Als "Klassiker der Freud-Biografik" würdigt Oliver Pfohlmann dieses Werk des 2005 verstorbenen Historikers Paul Roazen von 1976, das nun in einer Neuauflage vorliegt. Die Materialbasis des Buchs hält Pfohlmann für einzigartig. Schließlich führte der Autor Hunderte von Interviews mit praktisch allen damals noch lebenden Weggefährten und Patienten des Analytikers. Bemerkenswert erscheint ihm Roazens Nachweis, dass Freud als Therapeut überaus unorthodox vorging. Er verweist auf das lebhafte Interesse des Autors an den "blinden Flecken" der psychoanalytischen Geschichtsschreibung, das ihm den Ruf des "Enfant terrible" der Freud-Forschung einbrachte. Mit dem heute beliebten Freud-Bashing hatte Roazen nach Auskunft Pfohlmanns allerdings nichts am Hut. Ihm sei es schlicht um historische Wahrheit und Ausgewogenheit gegangen.
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