Die Frage, welche Rolle die Kunst in gesellschaftlichen Prozessen spielt, zieht sich durch eine Vielzahl von Texten linker Theoretiker*innen. Welcher Stellenwert wird der Kunst in der Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse darin jeweils eingeräumt? Und: Was wird jeweils von der Kunst erwartet? Ist sie Teil emanzipatorischer Veränderungen oder steht sie ihnen im Wege? Jens Kastner präsentiert die unterschiedlichen Positionen zur Kunst in den wichtigsten Strömungen linker Theorie. Diese Zusammenschau dient nicht nur als lebendig geschriebene Einführung in das Thema 'die Linke und die Kunst'. Sie macht auch deutlich, dass innerhalb linker Theorie der Stellenwert der Kunst für die gesellschaftliche Transformation und Reproduktion gemeinhin sehr hoch angesetzt wird und die Hoffnungen auf emanzipatorische Effekte durch und mit Kunst erstaunlich groß sind.
Eine "echte Pionierleistung" legt der Soziologe und taz-Autor Jens Kastner hier vor, lobt Ingo Arend: Auch dieses Buch biete zwar nicht eine kohärente linke Theorie der Künste, ermögliche aber eine Tour d'horizon des linken Denkens über die Kunst. Die frühen Denker zeichnen sich dabei durch selbstgefällige Ignoranz aus - Rosa Luxemburg etwa rümpfte die Nase über die "dekadenten Klecksereien eines Max Slevogt oder Ferdinand Hodler". Die Wende in ein ästhetisch sensibleres Denken komme dann mit Walter Benjamins materialistischer Kultursoziologie. Weitere Positionen werden ebenfalls genannt - von Theodor W. Adorno über Pierre Bourdieu bis zu heutigen Theorien des Feminismus und der Dekolonisierung. Eine lohnende Lektüre, so Arend.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.01.2020
Rezensent Ingo Arend empfiehlt das Buch des Soziologen Jens Kastner weniger als Streitschrift über das Verhältnis von Kunst und Politik, denn als Nachweis der Bedeutung von Kunst in den Arbeiten von Marx, Negri oder Rebentisch. Wie der Autor die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Kunst bei Lukács, Adorno und Benjamin herausarbeitet, hält Arend für souverän. Das Nachdenken der Linken über Kunst erschließt ihm das Buch umfassend und gut verständlich. Nebenbei räumt Kastner laut Arend auf mit manchem Vorurteil, etwa dem, die Linke respektiere die Eigenständigkeit der Kunst nicht.
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