Rührung ist ein vertrautes, aber nur selten reflektiertes Gefühl. Im doppelten Sinn ist es "wenig angesehen": Nicht nur hat es bislang vergleichsweise wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren, es wird auch schnell - gerade wenn es im Kontext von Kunst auftritt - als Anzeichen für fehlende Tiefe gesehen. Roger Fayet sucht in seiner Auseinandersetzung mit möglicherweise rührenden Kunstwerken nach einem besseren Verständnis dieses Gefühls, das er im Kontext ästhetischer Erfahrung sowie im Licht historischer und gegenwärtiger Theorien betrachtet. Er erkundet sein Thema in einem weiten zeitlichen Horizont: von der Ästhetik der Antike bis in die Kunst und Kunsttheorie der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2023
Es ist ziemlich schwierig, sich dem Gefühl der Rührung zu widmen - meist verbleibt es entweder bei einer kitschigen Beschreibung der eigenen Gefühlswelt oder es wird zu distanziert-analytisch, hält Rezensent Peter Geimer fest. Der Kunsthistoriker Roger Fayet macht es nun in seiner "beeindruckenden Studie" anders, freut er sich: Ursprünglich als Vorlesung konzipiert, was Geimer dem Text auch anmerkt, stellt Fayet einen historischen Überblick von Aristoteles bis Adorno auf, um sich dann konkreten Beispielen zu widmen. So schriebe er etwa über Patti Smith, die bei der Nobelpreisvergabe an Bob Dylan den Text des Liedes vergisst, das sie singen soll und analysiert, dass es gerade ihre Offenheit ist, die sie ganz menschlich und nahbar macht in dieser Situation und somit Rührung erzeugt. Schade findet der Kritiker nur, dass der Autor neben bildender Kunst und Musik nicht auch den Film miteinbezogen hat - hieran ließen sich weitere Ansätze knüpfen, schließt er.
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