Jana Hensel

Keinland

Ein Liebesroman
Cover: Keinland
Wallstein Verlag, Göttingen 2017
ISBN 9783835330672
Gebunden, 196 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

"Keinland" ist ein Liebesroman, aber auch ein Roman über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen. Eigentlich hatte Nadja nur ein Interview mit Martin Stern führen wollen, aber von der ersten Sekunde an ist da eine schwer erklärbare Nähe - und eine Fremdheit, die sich auch dann nicht auflöst, als die beiden sich näherkommen. Woher rührt diese Nähe? Und warum ist diese Fremdheit nur so schwer zu überwinden? Nadja sagt ja zu dieser Liebe, an die Martin nicht recht glauben kann. Martin, der als Jude in Frankfurt am Main aufgewachsen ist, Deutschland aber nach der Wiedervereinigung verlassen hat und nach Tel Aviv gezogen ist. Zu vieles liegt zwischen den beiden: biografische Erfahrungen, geografische Entfernung und eine Vergangenheit, die nicht nur mit den eigenen Lebensläufen zu tun hat. Das falsche Land, das richtige, das neue, das heilige - Jana Hensel lotet in Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Dabei umkreist sie unsere Auffassung von Heimat, Geschichte und Schicksal und stellt mit ihren Charakteren die Frage, wie weit die Vergangenheit unser Leben bestimmt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2017

Der hier rezensierende Schriftsteller Martin Kluger ist entzückt von der Traurigkeit, die Jana Hensels Roman ausstrahlt. Meisterlich findet er, wie in der erzählten Liebesgeschichte zwischen einem Juden und einer jungen, aus der DDR stammenden Frau in Berlin unterschwellig deutsche Geschichte und deutsche Traumata verhandelt werden. Dass die beiden "Spätopfer" der Geschichte im Text nicht zueinander finden, scheint Kluger unausweichlich und vielsagend zugleich.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 29.07.2017

Jana Hensel hat ihren Breton gelesen - und insbesondere dessen Roman "Nadja", weiß Rezensentin Sarah Pines nach der Lektüre von "Keinland". Denn Hensels Nadja erscheint der Kritikerin wie eine Wiedergängerin von Bretons abgewiesener Geliebten: Assoziationsreich, "melodisch" und in klaren Bildern erzählt ihr die Autorin von den Erniedrigungen, die jene in den in Tel Aviv lebenden Deutschjuden Martin verliebte Nadja immer wieder erleiden muss, etwa wenn sie ihm Liebesschwüre sendet und vergeblich auf Antwort wartet. Plausibel kann ihr Hensel zudem die Entfremdungsgefühle ihrer Heldin schildern. Wenn Martin zur Projektionsfläche für Nadjas Schuldgefühle hinsichtlich der Shoa wird, gerät der Rezensentin der Roman allerdings zu "beflissen".