Boris Lurie

In Riga

Aufzeichnungen
Cover: In Riga
Wallstein Verlag, Göttingen 2023
ISBN 9783835353558
Gebunden, 224 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen und mit einem Vorwort von Joachim Kalka. Im Spätsommer des Jahres 1975 bestieg Boris Lurie in New York ein sowjetisches Schiff, um nach Riga zu fahren und damit nach über 30 Jahren wieder in die Stadt zu kommen, in der er aufgewachsen war und wo er die Schrecken der deutschen Besatzungszeit hautnah miterleben musste. Insbesondere ein Geschehnis änderte dabei den Lauf seines Leben, als im Dezember 1941 im Wald von Rumbula Tausende Juden hingerichtet wurden, darunter Familienmitglieder Luries sowie seine damalige Freundin. Luries Leben teilte sich in ein vor und ein nach Rumbula, und sein Besuch dieses Ortes während seiner Reise führte auch dazu, dass er mit dem Schreiben begann und darüber in den Dialog mit denjenigen, die nicht mehr da waren. Nach Luries Tod entdeckte man in seinem Nachlass mehrere Boxen, gefüllt mit schriftlichen Aufzeichnungen und Zeitungsausschnitten. Aus Riga zurückgekommen, hatte Lurie damit begonnen, seine Erinnerungen an Riga während des Zweiten Weltkriegs niederzuschreiben, aber auch die Empfindungen während seiner Reise festzuhalten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2023

Rezensent Oliver Pfohlmann ist dankbar für die posthume Veröffentlichung der Aufzeichnungen des Künstler Boris Lurie, die nun unter dem Titel "In Riga" erschienen sind. Der Autor, der als Jugendlicher um Haaresbreite der Ermordung durch die Nazis entging, erzählt "mosaikartig" zwei Geschichten. 1975 war Lurie nach Riga zurückgereist, unter anderem um den Ort zu sehen, an dem ein großer Teil seiner Familie 1941 im Zuge der Massaker im Wald von Rumbula erschossen wurde. Die Aufzeichnungen dieser Reise, wechseln sich ab mit Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Lettland, zuerst unter sowjetischer Herrschaft, dann unter der deutschen Besatzung. Bald verschwimmen diese beiden Erzählebenen, berichtet der Rezensent, die Vergangenheit holt die Gegenwart ein. Die Texte ergeben ein so "großes wie schonungsloses" Erinnerungswerk, schreibt der Kritiker beeindruckt. Etwas seltsam findet der Rezensent nur, dass das Vorwort der Herausgeberin, der deutsch-russischen Künstlerin Julia Kissina, nur im amerikanischen Original zu finden ist.

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