Aus dem Englischen und Französischen von Ulrich Müller-Schöll. Was heißt Philosophie in Zeiten des Terrors? Welchen Aufgaben muß sie sich stellen? Nach den Anschlägen des 11. Septembers hat Giovanna Borradori Jürgen Habermas und Jacques Derrida in den USA befragt. Im Gespräch formulieren diese bedeutendsten Protagonisten der zeitgenössischen deutschen und französischen Philosophie ihre Positionen und reflektieren unter anderem den Begriff des Terrorismus, die Tauglichkeit von Dialogmodellen auf interkultureller Ebene und die Durchschlagskraft des internationalen Rechts. Jenseits inhaltlicher und stilistischer Differenzen überraschen die beiden Philosophen durch Einigkeit: in ihrem Votum für Aufklärung, in ihrem Eintreten für Demokratie und ihrem entschiedenen Plädoyer für den Ausbau internationaler Rechtsinstitutionen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2004
Zu den markanten europäischen Beständen gehört die spezielle Form der aus der leidvollen Erfahrung von Religionskriegen erwachsenen Säkularisierung, weiß Rezensent Uwe Justus Wenzel. Dieses säkulare Erbe skizziere Jacques Derrida in dem Band über "Philosophie in Zeiten des Terrors", der zwei von Giovanna Borradori geführte und kommentierte Gespräche mit dem französischen Philosophen und Jürgen Habermas bietet. Derrida zeige damit eine Alternative sowohl zu der politischen Theologie des Islamismus wie auch zu derjenigen des in den USA laut gewordenen christlichen Fundamentalismus auf. Als eigentliches Projekt Europas arbeite Derrida das einer Verrechtlichung der internationalen Beziehungen heraus, wie Immanuel Kant es vor über zweihundert Jahren maßgeblich und in den Grundzügen unüberholt auf den Begriff gebracht habe.
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