J.J. Voskuil

Das Büro

Band 7: Der Tod des Maarten Koning
Cover: Das Büro
Verbrecher Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783957320124
Gebunden, 260 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Gerd Busse. Die Jahre 1987 bis 1989. Maarten Koning ist in Frührente und versucht, seine Tage mit kleinen Arbeiten im Haus, ausgedehnten Spaziergängen mit seiner Frau Nicolien und Fahrradtouren durch die Weiten der niederländischen Landschaft zu füllen. Das Büro lässt ihn trotzdem nicht los: Vor seiner Pensionierung hatte er darum gebeten, noch eine Weile den Schreibtisch im Dachkämmerchen benutzen zu dürfen - um Projekte abzuschließen, wie er den Kollegen erzählt, in Wahrheit jedoch eher, um den Entzug von Wichtelmännchen und Mittwinterhörnern etwas weniger kalt zu halten. Doch die Atmosphäre im Büro hat sich nach dem Weggang Maartens geändert. Unbehagen beschleicht ihn, als er mit ansehen muss, wie ein neuer Abteilungsleiter das zerstört, was er aufgebaut hat. Die meisten seiner ehemaligen Mitarbeiter folgen klaglos, wenn nicht gar begeistert, dem neuen Kurs. Maarten spürt eine zunehmende Feindseligkeit seiner ehemaligen Abteilung ihm gegenüber. Als er eines Morgens erscheint, um sich an seinen Schreibtisch zu setzen, muss er eine erschütternde Entdeckung machen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.02.2018

Als "kleine Sensation" würdigt Rezensentin Katharina Borchardt die nun mit dem siebten Teil vollständig auf Deutsch vorliegende Saga "Das Büro" des niederländischen Autors J.J. Voskuil. Selten konnte man das Angestelltendasein in einer derart detailreichen und "phänomenologisch angelegten Langzeitbetrachtung" erleben wie in diesem autobiografisch geprägten Werk, lobt die Kritikerin, die in dem 5000seitigen Werk trotz einiger Längen eine gelungene Aufzeichnung der Alltäglichkeit und von Momenten der Tragik entdeckt. Vor allem aber bewundert sie Voskuils Beobachtungsgabe und den Verzicht auf Psychologisierung seiner Figuren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2018

"Mehr Beruf war nie im Roman" behauptet Rezensent Matthias Kniep guten Gewissens über J.J. Voskuils nun endlich abgeschlossene Heptalogie. Unmissverständlich ist bereits der Titel, welcher uns wissen lässt, wo die sieben Romane Voskuils spielen und worum es geht: "Das Büro", das Hamsterrad, in dem sich der Protagonist, Voskuils Alter Ego dreißig Jahre lang scheinbar vorwärts müht, Weihnachtsfeiern, Dienstreisen und den üblichen betrieblichen Klatsch und Tratsch über sich ergehen lässt und dabei immer wieder die Legitimation seiner Arbeit in Frage stellt, erklärt Kniep. Das Rad dreht sich jedenfalls immer weiter, kein Ereignis vermag es zu erschüttern, geschweige denn anzuhalten, solange bis Maarten Koning seine Aufgabe im letzten Band erfüllt hat und aussteigen darf. Die Herausforderung und die Radikalität eines solchen Roman-Projektes liegt im Erzählanlass: Kein besonderes Geschehnis bildet den Ausgangspunkt, sondern die Routine, das "Nicht-Ereignis", lesen wir. Glücklicher- und beeindruckenderweise wird Voskuil seinem hohen Anspruch gerecht, indem er die Bücher mit authentischen Figuren und ihren überaus komischen Dialogen anfüllt. Seine schlichte, pointierte Sprache, seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe und das daraus resultierende Talent für Figurenzeichnung und -sprache machen dieses Kunststück möglich, so der auf weitere Voskuil-Übersetzungen hoffende Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2017

Rezensentin Sabine Vogel freut sich, dass nun auch die letzten beiden Bände von J. J. Voskuils siebenteiligem Romanzyklus "Das Büro" auf Deutsch vorliegen. Suchtgefahr attestiert sie dem Werk des niederländischen Autors, das sich der deutsche Leser allerdings zunächst erschließen müsse. Denn diese "Seifenoper für Intellektuelle", die der wissenschaftliche Beamte in einem Amsterdamer Volkskunde-Institut in den vier Jahren nach seiner Pensionierung schrieb und die niederländische Leser sehnsüchtig auf Fortsetzungen wartend vor den Buchhandlungen nächtigen ließ, kann gelegentlich durch äußerst präzise beschriebene Straßen-, Grachten- und Kneipenschilderungen ermüden, warnt die Rezensentin vor. Nichtsdestotrotz gerät sie einmal mehr in den Bann des misantrophischen Maarten, der sich nach einem wenig trostlosen Beamtenleben nun mit den Qualen des Ruhestands herumplagt. Die Komik, die Voskuil der Beamtensprache ablauscht, hat der Rezensentin ebenfalls gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2017

Der siebte und letzte Band von J. J. Voskuils Romanprojekt über den Amsterdamer Ethnologen Maarten Koning stellt Florian Keisinger vor ein Problem: Was jetzt lesen? Der Abschluss der Lektüre lässt ihn noch einmal rekapitulieren, was so anziehend an der Büro-Reihe ist: das anders als bei Knausgard durch das Zurücktreten des Autors hinter seine Figuren erreichte bitterböse literarische Genrebild, der Gesellschaftsroman hinter der existentiellen Individualgeschichte. Die "grandiose" Übersetzung von Gerd Busse, die die Schlichtheit des Stils transportiert, wie Keisinger erklärt, die Feinsinnigkeit, mit der der Autor den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur in den Niederlanden festhält, und die vielen hübschen kleinen Neckereien im Büroalltag des Helden nebst persiflierender Darstellung des Kulturforscher-Metiers haben den Rezensenten wiederum begeistert.
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