Ian Kershaw

Das Ende

Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45
Cover: Das Ende
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2011
ISBN 9783421058072
Gebunden, 702 Seiten, 29,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Binder, Bernd Leineweber und Martin Pfeiffer. Das "Dritte Reich" kämpfte nicht nur bis zum bitteren Ende, bis zur totalen Niederlage, es funktionierte auch bis zum Schluss. Bis die Rote Armee vor den Pforten der Reichskanzlei stand, wurde die öffentliche Ordnung in Deutschland, das täglich ein Stück mehr unter alliierte Besatzung geriet, weitgehend aufrechterhalten. Löhne wurden bezahlt und die Verwaltung lief wenngleich unter großen Schwierigkeiten weiter. Die Gründe dafür, warum Hitlers Deutschland militärisch zusammenbrach, sind bekannt, die Frage, wie und warum das "Dritte Reich" bis zum Schluss funktionierte, ist dagegen bis heute nicht beantwortet. Zentral bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie das Regime bis zum Ende durchhalten konnte, so der renommierte NS-Historiker Ian Kershaw, ist Hitlers Art der charismatischen Herrschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.01.2012

Bestürzt hat Rezensent Harry Nutt Ian Kershaws Studie über das Ende des Nationalsozialismus gelesen, in der er den mörderischen Irrsinn minutiös beschrieben fand, mit dem sich die Deutschen in den letzten Kriegsmonaten gegen die Kapitulation sperrten. Geschichten von Fanatismus und Fatalismus hat Nutt hier gelesen, die ihm den Atem raubten. Aber auch auch wenn Kershaw ein hervorragender Erzähler ist, betont Nutt doch auch, wie präzise er analysiert, wie ausgewogen er deutet und zu welch Differenziertheit der britische Historiker in der Lage ist. Sehr spannend findet Nutt etwa, wie Kershaw die augeklügelte Machtarchitektur herausarbeitet, auf die Hitler seine Herrschaft stützte, als das Charisma verflogen war. Souverän bearbeitete Kershaw auch Goebbels Endkampfpropaganda, die begierig Gräueltaten der Roten Armee ausschlachtete. Überrascht hat den Rezensenten allerdings, wieviel Pluralismus unter der gleichgeschalteten Oberfläche es doch immer noch gab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2011

Aus der Fülle der Arbeiten zum Kriegsende sticht Ian Kershaws Buch als das beste heraus, meint Klaus-Dietmar Henke. Den Titel "Gesamtdarstellung" verdient der Band laut Rezensent, weil es alle nötigen Gegebenheiten berücksichtigt und daraus sorgfältig eine Antwort zu destillieren vermag auf die drängende Frage, warum Hitler bis zum bitteren Ende weitermachen konnte. Das Panorama der Zeit zwischen Sommer '44 und Mai '45, das Kershaw analytisch, aber auch berührend, in jedem Fall anschaulich zu zeichnen vermag, offenbart dem Rezensenten zum einen die Strukturen der NS-Herrschaft, zum anderen das ordinäre, rücksichtslose persönliche Movens aller Durchhalteparolen im Führerstab. Für Henke ist das Buch ein "vortreffliches" Werk.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.11.2011

Klaus Hillenbrand findet Ian Kershaws umfangreiche Studie "Das Ende" rundum gelungen. Im Zentrum sieht er die Frage, warum die Deutschen selbst 1944/45 im Angesicht einer nicht mehr zu vermeidenden Niederlage weiter kämpften, töteten, mordeten. Der britische Historiker sucht in seinen Augen nicht nach einer einfachen Erklärung für dieses Verhalten des NS-Regimes, der Wehrmacht, der Bürokratie und Teile der Bevölkerung, sondern legt anhand von zahllosen Beispielen eine Fülle unterschiedlicher Ursachen dar: etwa den Terror gegen die eigene Bevölkerung, die Propaganda von den grausamen sowjetischen "Untermenschen", die Machtstrukturen im NS-Staat, die Vorstellungen von Disziplin und Nationalismus bei den Generälen. Dies alles analysiert Kershaw nach Ansicht von Hillenbrand höchst überzeugend. Dennoch bleibt am Ende für ihn unfassbar, warum bis zum Schluss mit einer derartigen Vehemenz gemordet wurde.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.11.2011

Sachlich und zustimmend referiert Volker Ullrich die Ergebnisse dieses Buchs, das anders als Joachim Fests "Untergang" einen Blick über den Tellerrand des Führerbunkers wirft. Neues Licht werfe es auf die Frage, warum die Deutschen Hitler die Treue hielten, obwohl sich die Niederlage des Regimes deutlich abzeichnete. Kershaw findet nach Ullrich ein ganzes Bündel von Gründen für dieses Verhalten, das zunächst rätselhaft wirkt, da die Popularität Hitlers als Erklärung ausgeschlossen wird: Das Regime habe zu diesem Zeitpunkt längst in einer Vertrauenskrise gesteckt. Hauptgründe für das Durchhalten waren dann letztlich äußerlich der Terror - jede regimekritische Äußerung wurde mit Todesstrafe geahndet - und innerlich das Gefühl der Verstrickung in die Naziverbrechen und eine entsprechende Angst vor Rache, die im Fall der Roten Armee ja auch gerechtfertigt war. Am Ende seiner Kritik lobt Ullrich Kerhsaws klare Prosa und seine tiefschürfende Analyse.
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