Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2000
Gerd Koenen weist zunächst darauf hin, dass dieser Band auf den Beiträgen einer internationalen Tagung beruht, die vor fünf Jahren abgehalten wurde, und betont dann, dass es hier nicht darum gehe, Opferzahlen der beiden Totalitarismen gegeneinander aufzurechnen, sondern die Systeme aus ihrer "inneren Logik" zu verstehen. Dem Rezensenten wird dabei aus Beiträgen von Thomas Sandkühler und Peter Klein deutlich, dass die Forschungslage über den Nationalsozialismus inzwischen wesentlich klarer sei und dass sich seine Verbrechen "einem historisch nachvollziehenden Verstehen allmählich erschließen". Ganz anders nach Koenen die Lage beim Stalinismus, wo sowohl betreffs der Opferzahlen als auch der historischen Deutung seiner Verbrechen noch extreme Unterschiede zwischen den Forscherstandpunkten festzustellen seien. Dabei mag Koenen weder Ian Kerhaws Ansatz folgen, der Stalins Industrialisierungspolitik einen rationalen Kern zugestehen will, noch Totalitarismusforschern, die Analysemodelle, welche am Nationalsozialismus entwickelt wurden, einfach auf den Stalinismus übertragen wollen.
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