Über kurz oder lang wird es auch in Europa zu einer Revolte kommen. Denn immer weniger Menschen in Europa fühlen sich noch der Mehrheitsgesellschaft verpflichtet. Sie leben auf Dauer in Gegenkulturen. Mit einer solchen Entwicklung kann der Gesellschaftsvertrag zwischen den Generationen, den verschiedenen Schichten und Milieus keinen Bestand mehr haben. Solidarität wird zu einem Fremdwort. Die Folgen sind leicht vorhersehbar: steigende Kriminalität, urbaner Zerfall durch Entstehung von Slums, ethnisch-religiöse Auseinandersetzungen und Bandenkriege, politische Radikalisierung und damit das Ende des politischen und gesellschaftlichen Konsenses. Europa wird dem Verfall preisgegeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2012
Als apolitische Selbsterregungsliteratur bezeichnet Stephan Wackwitz Michael Leys unter dem Genre des Manifests firmierendes Buch. Dass die beiden Teile des Bandes nicht zusammenpassen wollen, wie der Rezensent befindet, deutet er als geistesgeschichtliche Kurzschlussarbeit und leitet daraus die Frage ab, ob die Gattung überhaupt zeit- und gesellschaftsgemäß sei. Für Wackwitz heißt das, sich dem interessanteren Teil des Buches zuzuwenden und den mit Sarrazin'schen Integrationsthesen befassten zweiten Teil einstweilen links beziehungsweise rechts liegenzulassen. Beim Geschichtsphilosophen Eric Voeglein und dessen von Ley referierter Modernitätstheorie, die den Diskurs der Moderne als objektive Geistesstörung analysiert, fühlt Wackwitz sich hingegen wie bei Warburg oder Benjamin lehrreich unterhalten.
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