"Hurenkind", "Russensau", "Bastard": Mit diesen Schimpfworten wuchsen sie auf, die unerwünschten Kinder des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungsjahre. Kinder aus Beziehungen zwischen deutschen Frauen und Zwangsarbeitern oder Soldaten der Alliierten. Obwohl offiziell verboten, entstanden diese Kontakte dennoch, ob aus Verzweiflung, Liebe oder Gewalt. Die daraus gezeugten Kinder wurden oft versteckt, verprügelt und beschimpft. Geboren mit einem Stigma: Was richtet das mit einer Kinderseele und dem späteren Erwachsenen-Ich an? Noch Jahrzehnte später suchen viele von ihnen nach der Lücke in ihrem Leben. Manchmal schaffen Zufälle eine neue Realität: ein zerknicktes Foto, ein belauschtes Gespräch oder eine wiederentdeckte Geburtsurkunde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2026
Der Rezensent und Historiker Ludger Heid liest das Buch der Publizistin Monika Dittombees mit Interesse. Was die Autorin über die Kriegskinder bei Betroffenen erfragt und aufschreibt, erscheint ihm als vernachlässigtes Thema der Traumaforschung. Die vielen Tabus rund um die Kinder von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und alliierten Soldaten werden dabei laut Heid sichtbar. Berührend findet er die versammelten Erinnerungen der auf diese Weise um 1945 Gezeugten und Geborenen, die sich zu einer Kollektivbiografie fügen, wie er meint. Großteils gemein haben die Befragten die kaum zu tilgenden Stigmata wie auch den Versuch, das eigene Schicksal zu ergründen, erkennt Heid.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2025
Rezensentin Edelgard Abenstein liest ein instruktives Buch der Journalistin Monika Dittombée über ein oftmals totgeschwiegenes Thema: Offiziell waren die Kontakte zwischen deutschen Frauen und feindlichen Soldaten und Besatzern verboten, dennoch sind aus vielen, sowohl freiwilligen als auch gewaltvollen, dieser Begegnungen Kinder hervorgegangen, die öffentlich geächtet wurde. Dittombée vollzieht laut Abenstein im Gespräch mit vielen dieser Kinder nach, wie sie die Ausgrenzung und Ablehnung erfahren haben, aber auch, wie sie mittels großer Mühen versucht haben, ihre Väter ausfindig zu machen. Für die Kritikerin ein wichtiges Buch, das sich auch in eine noch recht neue Forschungsrichtung einschreibt, die die transgenerationale Weitergabe von Traumata untersucht.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…