Howard Jacobson

Pussy

Roman
Cover: Pussy
Tropen Verlag, Stuttgart 2018
ISBN 9783608503517
Gebunden, 272 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass. In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden ... Prinz Fracassus ist der einzige Sohn des Herzogs von Urbs-Ludus und wächst im Überfluss heran. Dem Knaben mit dem senfgelben Haar mangelt es weder an Bildung noch an Zerstreuung. Viel spricht er zwar nicht, dafür verbringt er zu viel Zeit vor dem Fernseher, aber das wird schon noch, oder? Es wird nicht. Selbst dem liebenden Vater fällt irgendwann auf: Seinem Sohn fällt es schwer, zusammenhängende Sätze zu formulieren. Stattdessen ist eine große Begeisterung für Prostituierte, Gladiatorenkämpfe sowie für Reality-Shows zu verzeichnen. Kann so ein Mann ein ganzes Land regieren? Ein Land, das murrt, weil es zu viele ausländische Brotbäcker gibt? Verzweifelte Zeiten verlangen verzweifelte Maßnahmen. Politische Berater werden herbeigeholt, Allianzen werden geschlossen, eine Twitterkampagne organisiert. Und am Ende? Am Ende siegt die Einfalt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2018

Ohne Frage - Howard Jacobsons Satire auf den amerikanischen Staatspräsidenten ist witzig, doch das wars dann leider auch, resümiert Rezensentin Angela Schader. Donald Trumps Alter Ego wächst "weitgehend artikulationsfrei" in einem fiktiven Staat auf. Die wichtigsten Dinge des Lebens wie Twittern und Lügen lernt er von skrupellosen Geschäftsmännern und Politikern. Sein mehr als mangelhaftes Sprachvermögen ist immer wieder Grund zur Beunruhigung für die Mutter und Anlass zur Belustigung für den Leser - oder auch nicht, überlegt die abwägende Rezensentin, denn inzwischen dürfte den meisten Gegnern Trumps das Lachen im Halse stecken geblieben und dann wieder ganz weiter heruntergerutscht sein. Schader hätte sich gewünscht, dass der Autor, dessen Werk ganz offensichtlich eine "Sturzgeburt" war, sich ein wenig mehr Zeit genommen und zu ein bisschen mehr Distanz gezwungen hätte, dann wäre er vielleicht auch dem Anspruch näher gekommen, zu erklären, warum dieser Mann so viele Anhänger finden konnte, so die eher enttäuschte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2018

Vernichtend fällt Burkhard Müllers Urteil über Howard Jacobsons Donald-Trump-Satire aus. Schon den Titel findet Müller denkbar einfallslos, ebenso die zahnlose Anlage als Märchen, die er der Verfremdung wegen vielleicht einem Autor in einem totalitären Land hätte durchgehen lassen, aber bestimmt keinem britischen Autor. Ganz zu schweigen von dem widersinnigen Einfall, dass sich in diesem Märchen ein Kronprinz zur Wahl stellen muss. Nein, so nicht, befindet Müller: Satire braucht Witz und Wut, Tempo und Kraft. Daran mangele es nicht nur Jacobsons Schnellschuss, sondern auch der Übersetzung. Am Ende bescheinigt Müller dem Buch mit ziemlich klaren Worten den "hilflosen Hochmut eines Liberalismus, der zu ermattet ist, um über seinen Gegner nachzudenken, und zu schwach, um ihn wirklich zu hassen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.01.2018

So absurd wie die Realität kann Howard Jacobsens im Original bereits vergangenes Jahr erschienene Donald-Trump-Satire "Pussy" gar nicht sein, weiß Rezensentin Sylvia Staude. Eigentlich schätzt die Kritikerin Formulierungskunst, spöttischen Witz und bittere Beobachtungsgabe des britischen Autors - aber gegen Trumps "Selbstentblößung, Selbstentblödung, Schamlosigkeit" kommt selbst Jacobsen nicht an, stellt die Rezensentin ein wenig enttäuscht fest: Erzählt wird die Geschichte des empfindlichen, Beschimpfungen ausspuckenden Fürstensohns Fracassus, auf dem alle Hoffnungen seiner Eltern ruhen und der in die Lehre zum Putin-Wiedergänger Vozzek Spravchick geschickt wird. Dass alle Zuspitzungen des Buches es mit der Realität nicht aufnehmen können, kann Staude zwar dem Autor nicht ankreiden, schmälert ihr Lesevergnügen aber erheblich.